Seit einiger Zeit geistert eine Ausstellung durch die Republik, die – natürlich – die Geschichte „richtigstellen“ will. Die Geschichte der Staatsgründung Israels. Die Geschichte des erfolgreichen jüdischen Versuchs, sich der ethnischen Säuberung durch die muslimischen Araber zu widersetzen. Und weil die Juden nicht erfolgreich sein dürfen, muss heute einseitig die Scheingeschichte der Araber erzählt werden. So, wie in der Ausstellung des Vereins „Flüchtlingskinder im Libanon“.

Diese Ausstellung läuft unter dem Titel „Die Nakba“. Eine Tübinger Pfarrerin charakterisiert sie so: „Eine halbe Wahrheit ist eine ganze Lüge.“

Genau das trifft offensichtlich auf die Ausstellung zu, die sich bisher einer freundlichen Kritiklosigkeit erfreuen konnte. Nur gelegentlich kam Missbilligung auf. In Hannover wurden vor ein paar Wochen erstmals ernsthaft Stimmen laut, die Einseitigkeit anmahnten: Die Schau sei „eine tendenziöse Propaganda-Ausstellung“, die „Israel als Fremdkörper im Nahen Osten“ hinstelle. Die örtliche Volkshochschule hielt an der Ausstellung fest.

Anders in Frankfurt: Der Deutsche Gewerkschaftsbund sagte eine Zweitkopie wieder ab. Sie „entspricht nicht unserer Politik, die auf gegenseitiges Verständnis von Juden und Palästinensern gerichtet ist“. Wenn das von einem Verein wie dem DGB kommt, muss schon einiges im Argen liegen.

Pastorin Volkmann fasst zusammen, dass zahlreiche Fakten unterschlagen werden, vor allem zum Vorfeld der „Nakba“. Zudem bediene sich die Schau in fragwürdiger Weise beim Œuvre kritischer israelischer Historiker: „Das ist ein klassisches antijudaistisches Muster“, so Volkmann. „Die Selbstkritik Israels wird gegen Israel instrumentalisiert – für ein Gefühl eigener moralischer Überlegenheit.“ Auf Seiten der Palästinenser werde die Debatte über eigene Schuld dagegen nur selten geführt. „Versöhnung kann es nur geben, wenn sich beide Parteien der Selbstkritik unterziehen“, so Volkmann. Besser ist es kaum auszudrücken.

Ausstellungsmacherin Ingrid Rumpf hält dagegen: Für die Vertreibung und den späteren Umgang mit den palästinensischen Flüchtlingen trage aber „ganz deutlich die zionistisch-israelische Seite die Hauptverantwortung“. Sie will das „fälschlich etablierte israelische Narrativ der eigenen Staatsgründung mit historischen Fakten konfrontieren.“ Und hat Hehres vor: „Nach 62 Jahren müssen wir aber auch dazu in der Lage sein, uns kritisch mit der Art und Weise der Staatsgründung Israels zu befassen.“ Mit kritischer Betrachtung der arabischen Art und Weise des Umgangs mit der Staatsgründung Israels hat sie nichts am Hut. Und sie schiebt nach, was typisch für solche Leute sein dürfte: Sie meint einen Antisemitismus-Vorwurf zurückweisen zu müssen: Schon früh habe sie sich an Gedenkfeiern für die Opfer des Nationalsozialismus beteiligt und sich gegen den Neofaschismus engagiert.

Das belegt das, was Henryk Broder schon lange moniert: Je länger Hitler tot ist, desto heftiger wird er bekämpft. Und die toten Juden werden leidenschaftlich beklagt, während den lebenden nicht zugestanden wird an ihrem Überleben zu arbeiten. Wer so „mit Fakten konfrontieren“ will, dabei aber genau solche zuhauf auslässt, der arbeitet nicht ehrlich, sondern verfälscht und will in die Irre führen.

„Die palästinensischen Flüchtlinge sind auch eine Realität, und wir wollen, dass die gesehen wird,“ heißt es dagegen aus der ausstellenden Kirche. Das ist interessant. Es hat ja seit 60 Jahren niemand diese Flüchtlinge auf dem Radar, nicht wahr? Es gibt keine UN-Organisation, die sich ausschließlich diesen Flüchtlingen widmet. Es wurden keine zig Milliarden dazu aufgewendet, um diesen Flüchtlingen und ihren Kindern, Enkeln und Urenkeln entgegen allen Gepflogenheiten der Flüchtlingsversorgung und –integration weltweit ihren Flüchtlingsstatus zu erhalten. Niemand redet von ihnen. Oder so. Und vor allem kennt niemand die arabisch-muslimische Lügengeschichte der Vertreibung und ethnischen Säuberung „Palästinas“.

Jetzt hat sich der Schirmherr der Ausstellung, der Philosoph Prof. Ernst Tugendhat, zu den Vorwürfen geäußert. Die Einseitigkeit erkennt er nicht an, auch wenn er zugibt, die Ausstellung sei „ergänzungsbedürftig“. Doch sie „verliert nicht an aufklärerischem Wert“. Die Auslassungen hätten nicht sein sollen.

Wenn das so ist, dann ist die Ausstellung einseitig, wünschenswerte Ergänzungen hin oder her. Wortspiele und Haarspaltereien ändern nichts daran. Doch es geht noch weiter und da entlarvt sich der Mann dann wieder:

Man dürfe aber nicht übersehen, so Tugendhat, „dass die Zionisten nicht wie einfache Einwanderer nach Palästina kamen, sondern mit der erklärten Absicht, dort einen eigenen jüdischen Staat aufzubauen. Das war für die palästinensische Bevölkerung unakzeptabel. Natürlich handelten die zionistischen Juden unter dem Druck des europäischen Antisemitismus. Aber hat, wer aus einem Haus herausgeworfen wird, das Recht, in das Haus eines unbeteiligten Dritten einzubrechen?“

Mit anderen Worten: Der Mann macht sich die Lügen über die Juden zu eigen, die von den arabische Muslimen verbreitet werden und derer sich ihre Propagandisten ständig bedienen. Erstens hatten diese Juden nicht vor einen Staat nur für sich zu bauen. Und wie sah denn zweitens der „Landraub“ aus? Die Juden/Zionisten kauften zu weit überteuerten Preise Land auf, das von den Arabern als unbrauchbar angesehen wurde. Sie haben niemandem Land geraubt. Das Dumme war allerdings, dass sie dieses unbrauchbare Land urbar machten; damit boten sie Arbeitsplätze auch für Araber, die ansonsten Mühe hatten über die Runden zu kommen, weil ihre Lehnsherren sie ausbeuteten. Damit waren die Juden so erfolgreich, dass es – im Verein mit der britischen Einwanderungsbeschränkung – Araber auch aus den umliegenden Ländern, besonders Syrien anzog, die der Armut entkommen wollten, indem sie brauchbares Geld bei den Juden verdienten.

Mit diesen Erfolgen kamen vor allem die Nomenklatura und die muslimischen Herrenmenschen-Prediger nicht klar. Die Juden hatten Dhimmis zu sein, sie waren diejenigen, die in die Gosse treten mussten. Sie hatten sich demütig zu unterwerfen. Das machten diese Zionisten nicht. Also musste gegen sie vorgegangen werden, bis sie ihren angemessenen Platz wieder einnahmen.

Aber der Herr Philosoph sagt, die Juden kamen um die Araber zu verdrängen. Das stimmt nicht einmal für 1947/48, geschweige denn vorher. Dafür wird von ihm um so heftiger an der Mär gearbeitet, dass die „Palästinenser“ die Folgen des Holocaust und der vorherigen Judenfeindschaft tragen müssten, was natürlich ungerecht ist. Und das wird dann mit kriminalistischen Vokabeln versehen, damit jeder sofort sieht, wer hier der Verbrecher und wer das Opfer ist. Dass die Araber sich zu Krieg und Terror entschieden, statt Zusammenarbeit zu Gunsten aller zu wählen, steht außerhalb des Wahrnehmungskreises dieser Geistesgröße.

Den vorläufigen Vogel schießt der „Denker“ dann noch mit zwei weiteren Bemerkungen ab:

„Dass die Hervorhebung von Tatsachen, die für das israelische Selbstbild ungünstig sind, Antisemitismus sei, ist eine Unterstellung, die aus einem ,Philosemitismus’ kommt, der sich seinerseits nur aus antisemitischen Wurzeln erklären lässt.“

Die modernen Judenvernichter sind natürlich keine Antisemiten, nein: Die wahren Antisemiten sind die, die Israel unterstützen! So, wie die Juden am Antisemitismus schuld sind, oder was?

Diese „Hervorhebung von Tatsachen, die für das israelische Selbstbild ungünstig sind“, ist keine reine Hervorhebung. Die Auslassung sämtlicher Fakten-Zusammenhänge, die für die Araber ungünstig sind, heizt die antiisraelische Stimmung an. Wer so lauthals brüllt, dass die Palästinenser recht haben und Israel Unrecht, der ist einseitig, boshaft einseitig. Der fördert die Hetze gegen Israel. Der bedient Ressentiments, die unanständig bis bösartig sind. Nicht weniger.

Zur Absage in Frankfurt und de Kritik durch den Tübinger Kirchengemeinderat befindet er: „Das ist Intoleranz und Bevormundung, wiederum motiviert aus der Angst, als antisemitisch erscheinen zu können.“

Damit wirft er denen vor, was er selbst befürwortet: Er will durchgesetzt sehen, was er meint und spricht dem DGB und dem Kirchengemeinderat ihre Meinungsfreiheit ab. Warum sollen die nicht meinen dürfen, was sie meinen und entsprechend handeln? Es gibt reichlich Gelegenheiten Antiisraelisches überall auszustellen und unter die Leute zu bringen. Wenn sich jemand dagegen ausspricht, dann wird sofort „Zensur“ und „fehlende Meinungsfreiheit“ geschrien. Umgekehrt nicht. Seltsam. Aber jeder muss ja seine Prioritäten haben. Am besten mit allen Mitteln der Heuchelei gegen Israel.

Das Oberschmankerl, das ihn endgültig entlarvt, kommt zum Schluss: Das Thema der Ausstellung sei das palästinensische Flüchtlingselend. In keiner Weise, betont Tugendhat, werde suggeriert, „dass es das einzige oder auch nur, dass es das wichtigste Problem im israelisch-palästinensischen Konflikt ist. Aber man muss daran erinnern, weil es in der westlichen Nahostdebatte in Vergessenheit zu geraten droht. Die Ausstellung kompensiert also gerade eine Einseitigkeit, die des gegenwärtigen Bewusstseinsstandes.“

Hier wird der Heuchelei die Krone aufgesetzt. Wenn das Thema der Ausstellung das palästinensische Flüchtlingselend wäre, dann müsste sie die Zeit nach 1948 bis heute abdecken! Denn manifestiert sich das Elend – das echte, wie das angebliche? In dem, was heute noch als „Flüchtlingslager“ bezeichnet wird, in den meisten Fällen aber richtige Städte sind. Darin, dass die Flüchtlinge von damals entgegen aller Gepflogenheiten überall sonst auf der Welt nie integriert, sondern separiert wurden. Die „arabischen Brüder“ haben diese Menschen als Bauernopfer und Kanonenfutter missbraucht. Sie haben sie den Flüchtlingsstatus weitervererben lassen – was keinem anderen Flüchtling der Welt zugestanden wird. Die Araber, die 1964 mit Gründung der PLO zu Palästinensern gemacht wurden, sind inzwischen in der vierten, fünften Generation „Flüchtlinge“, die „nach Hause“ „zurück“ sollen. Dazu bedienen sich die Araber Mittel, die man nur als rassistische und diskriminierend bezeichnen kann, die ihnen aber nicht zur Last gelegt werden. Nein, Israel ist schuld, wenn im Libanon „Palästinenser“ so gut wie keinen Beruf ausüben dürfen; Israel ist schuld, Israel muss das gutmachen, Israel ist als einziger zur Verantwortung zu ziehen, Israel hat gefälligst kollektiven Selbstmord zu begehen, damit die religiösen Antisemiten der Region zufriedengestellt werden.

Das, Herr Philosoph, ist Verfälschung der Geschichte. Das ist die Lüge, die die „halbe Wahrheit“ der Ausstellung verbreitet. Und wenn dann jemand sagt, dass das antisemitisch ist, hat er Recht.

(crossposted auf abseits vom mainstream)