Kollektivstrafe – DAS Schimpfwort schlechthin, wenn es um die Menschen im Gazastreifen geht und wie Israel mit ihnen umspringt.

Wenn Israel den Gazastreifen abriegelt, dann heißt es, dass die Menschen dort nicht darunter leiden dürfen. Weil ja nur die Hamas dort die nicht so Guten sind. Und weil es keine anderen Terrorgruppen gibt. Und weil nicht mal die Hamas so böse ist, wie die Israelis sagen. Und weil das sowieso alles immer alles nur noch schlimmer macht, was die Israelis tun. Und weil das das Ghetto ist, das Elendsquartier, das Freiluft-Gefängnis (bestenfalls) bis Freiluft-KZ (weil man nichts Schlimmeres findet, das man den Israelis anhängen kann), Und weil Israel einen langsamer Genozid an den Palästinensern vollzieht.

Solches alles, obwohl bewiesen ist, dass keine humanitäre Katastrophe vorliegt, im Gegenteil. Obwohl die PalAraber die Hamas gewählt haben. Schließlich wird ja bei anderen Gelegenheiten damit argumentiert, dass es die gewählte palästinensische Volksvertretung ist. Und damit legitim (was niemand ernsthaft bestreitet). Nur: Die Folgen sollen die Wähler nicht tragen müssen.

Die Verantwortung für ihr Handeln sollen die PalAraber nicht tragen müssen. Sie sind offenbar Kinder. Kinder, die man versucht antiautoritär zu erziehen; und dabei die Fehlschläge einfach nicht zur Kenntnis nehmen will, weil man dann ja eingestehen müsste, dass man Fehler gemacht hat.

Also ist „Kollektivstrafe“ keinesfalls erlaubt.

Nicht bei Arabern. Nicht bei Muslimen. Nicht bei Hamas-Jüngern. Nicht bei Hamas-Untertanen. Bloß nichts tun, was dazu führen könnte, dass die Hamas von der Bevölkerung isoliert wird. Weiter alimentieren, damit es keine Folgen für sie gibt und die Hamas nicht gezwungen sein kann anders zu handeln – sich anständiger zu benehmen oder wenigstens so zu tun, wie es die Fatah vormacht.

Ich weiche ab, es geht ja um Kollektive.

Es gibt allerdings andere, die abgestraft werden. Kollektiv. Ohne dass das so genannt wird. Und auch, ohne dass der Kollektivstrafen-Vorwurf wohl akzeptiert werden würde. Zwei Beispiele von heute:

– In Kalifornien sollte ein israelischer Frachter anlegen. Gewerkschaftler haben ihn boykottiert und 24 Stunden lang nicht anrühren lassen. (Manche Quellen sagen, die Idioten hätten sich vertan und ein chinesisches Schiff boykottiert.) Das Schiff gehört weder dem Staat Israel noch die Firma, die es betreibt. Aber es muss boykottiert werden, weil es israelisch ist.

– In Frankreich setzt eine Kinokette einen israelischen Film ab und nimmt stattdessen einen über Rachel Corrie ins Programm. (Wenn Israel die Blockade des Gazastreifens aufhebt, dann würde auch der Film gerne gezeigt, sagte die Chefin.) Der Regisseur, die Produktion, keiner hat etwas mit der israelischen Regierung und deren Palästinenserpolitik zu tun. Aber Boykott ist wichtig.

Es gibt massenhaft weitere Beispiele, die zeigen, dass Boykott, Abstrafung, Ablehnung gegen alles Israelische durch das gerechtfertigt wird, was man eigentlich Israels Regierung anlastet. Im Fall Israels wird nicht weiter unterschieden zwischen Regierung und Opposition, zwischen Herrschern und Volk, zwischen Befürwortern einer Politik und deren möglichen Gegnern. Während in Sachen PalAraber selbst die Anhänger nicht unter dem Tun ihrer Oberen leiden dürfen, sollen Israelis – selbst wenn sie vehemente Gegner der Regierung sind – die „Verantwortung“ und die Folgen tragen müssen.

Zweierlei Maß? Ja. Wird aber abgestritten.

Wer verlangt, dass Israel die Gazaner nicht „kollektiv bestraft“, der sollte sich umgekehrt auch daran halten, wenn es um Israel geht. Wird aber nicht gemacht.

Wie soll man diese Sonderbehandlung der Juden nennen?

(Crossposted auf abseits vom mainstream)