Nun gibt es immer wieder Schöpfungskollegen, die behaupten, dass nicht wahr sein kann, was weder in der Welt, im Spiegel, im Focus oder in der taz steht und dass das, was sonst gedruckt wird nur aus sogenannten Naziblättern veröffentlicht wird. Nun, nichtgenannte Zeitungen werden sich bedanken, insbesondere die ausländische Presse, wenn man sie mit dem Stürmer oder anderen Blättern die rechtsradikales Gedankengut verbreiten vergleicht- nur weil eben jene Schöpfungskollegen nicht in der Lage sind über den Tellerrand zu schauen, noch in der Lage sind ausländische Zeitungen zu lesen, noch in der Lage sind mal die Augen zu öffnen.

In jüngster Zeit haben mehrere jüdische Familien aus Angst um ihr Leben die südschwedische Stadt Malmö verlassen. Vielfach werden Proteste gegen die Politik Israels als Rechtfertigung für antisemitische Ausschreitungen vorgeschoben und lässt  eine Zunahme antisemitischer Tendenzen in Europa erkennen.
Warum sollen europäische Juden dafür büßen, dass mssich Israel in permanentem Kriegszustand befindet? Wo bleibt der Aufschrei der europäischen – auch dänischen – Kulturelite über derart zielgerichtete Angriffe auf eine ethnisch-kulturelle Minderheit?
Der springende Punkt ist, dass die zugrunde liegenden mehr oder weniger stark artikulierten antisemitischen Positionen mittlerweile nichts anderes mehr hervorrufen als Gleichgültigkeit. Der kleine und inzwischen immer größer gewordene Antisemitismus ist in Europa, ist in Dänemark salonfähig geworden.
Man hat keine Kraft für den Kampf. Man hat keine Kraft für die Konfrontation.
Es ist leichter, wegzusehen – die Juden sind so wenige. Genau hier beginnt der zivilisatorische Skandal.

Darf man eigentlich jene „Minderheit“ der man das Erstarken des Antisemitismus „verdankt“, eigentlich öffentlich nennen, oder sind diese dann wieder empört und zeigen ihre Friedfertigkeit indem sie randalieren und Fatwen aussprechen?