Am Donnerstagabend hat die Polizei erstmals den Baubetrieb am Stuttgarter Bahnhof mit etwas härteren Bandagen durchgesetzt. Für aufgepeitschte Schulschwänzer und ihre Alt-68er Lehrer ist das offenbar ein Schock, hatten sie sich doch ein „Demo-Event“ mit moralischer Verklärung erhofft, bei dem wieder einmal der Rechtsstaat ad absurdum geführt werden würde.

Der Umbau des Stuttgarter Bahnhofs in seiner Art und seinem Umfang ist vor dem Hintergrund der finanziellen Situation des Staatsunternehmens „Deutsche Bahn“ zwar fragwürdig, allerdings wie auf den Seiten des Bahnprojektes Stuttgart-Ulm zu lesen ist, gingen den Bauarbeiten 15 Jahre Planung mit den üblichen Einspruchsmöglichkeiten voraus.

Dieses und der Umstand, dass die „Deutsche Bahn“ aufgrund der von ihr durchgeführten Atomtransporte ohnehin ein rotes Tuch für die linke Szene ist, lassen aufhorchen.
So passt es gut ins Konzept der linken Empörungskultur, dass neben den angeprangerten Castor- Transporten nun ein weiteres Mobilisationsthema für Menschen, die noch nicht im linksextremen Spektrum gelandet sind, gefunden werden konnte, mit dem die eigenen kruden Ideen ummantelt werden können.

Aufhänger der heutigen Auseinandersetzung ist übrigens die Fällung alter Bäume im Schlossgarten, dieser Vorgang, alltäglich in deutschen Wäldern  wird in einer künstlich gestalteten größeren Grünfläche im Stadtkern emotional aufgebauscht und zur Mobilisierung bundesrepulikanischer Gutmenschen genutzt. Was auf den ersten Blick zustimmenswert scheint, entpuppt sich beim genaueren Hinsehen als Kampf um die Topfblume.

Kritik an Polizeigewalt gibt es übrigens in einer Richtung nie – die Entfernung einer linken Sitzblockiererin ist erstaunlicherweise bei Störern „nationaler“ Demos nicht möglich:

Ein Gutes hat die ganze Aufregung: Der Fernsehabend ist gerettet und bei den Auseinandersetzungen trifft es immer den Richtigen. Zudem haben Berufsdemonstranten und Polizei zu tun und es entstehen andernorts Freiräume, die am Wochenende eher noch wachsen werden.

(geschrieben von indexexpurgatorius)