Jeder dritte Deutsche hält sein Land für „überfremdet“. Die gestern in Berlin vorgestellte Untersuchung der Friedrich-Ebert-Stiftung  sieht darin eine Folge der Wirtschaftskrise.
30 Prozent unterstützen die These, dass es in Deutschland zu viele Ausländer  gebe. 58,4 Prozent wollen sogar, dass die Religionsausübung von Muslimen eingeschränkt wird. Zudem wünscht sich jeder Zehnte, dass Deutschland von  einem „Föhrrer“ mit harter Hand regiert wird. Jeder Vierte plädiert für eine  starke Partei, die die „Volksgemeinschaft“ verkörpern soll.

Weil bekannt ist, dass bestimmte sozioökonomische Faktoren wie die Zufriedenheit mit der Demokratie oder der eigenen wirtschaftlichen Situation als mögliche Erklärungen für rechtsextreme Einstellungen herangezogen werden können, fragten die Forscher auch nach der Zufriedenheit mit dem politischen System und der persönlichen Befindlichkeit.
Die Antworten zeichnen ein düsteres Bild: Mehr als 90 Prozent der Befragten halten es demnach für sinnlos, sich politisch zu engagieren. 39,1 Prozent fühlen sich in ihrer unmittelbaren Umgebung nicht wohl und sicher. Immerhin liegt die Zustimmung zur Idee der Demokratie in Ost und West bei über 90 Prozent.
Gefragt nach der Demokratie, wie sie im Grundgesetz der Bundesrepublik festgeschrieben ist, sinkt die Zustimmung aber auf 73,6 Prozent – und mehr als die Hälfte der Bürger zweifelt an der tatsächlichen demokratischen Praxis: Die Zustimmung zur Demokratie, wie sie in Deutschland funktioniert, beträgt nur 46,1 Prozent.

Gerade unter den Anhängern der Volksparteien sind chauvinistische und ausländerfeindliche Einstellungen verbreitet. Um die 20 Prozent sind es der Studie zufolge bei SPD und Union im Westen. Im Osten sind die Werte bei der Ausländerfeindlichkeit noch höher, und auch die Linke – im Osten eine Volkspartei – ist betroffen.