Der deutsche Baukonzern bittet die Bundesregierung seit Wochen im Übernahmekampf mit dem spanischen Unternehmen ACS um Hilfe – nun lenkt die Kanzlerin ein. An diesem Freitag sprach sich Angela Merkel erstmals offiziell gegen eine Zerschlagung von Hochtief aus.
Doch wie kommt die Merkel auf die Idee der Zerschlagung?
Florentino Pérez will eine neue Etappe einleiten. Gemeinsam mit Hochtief will er ACS zum führenden Infrastrukturkonzern der westlichen Welt werden lassen, gemeinsam sollen Größenvorteile etwa in der Projektfinanzierung oder bei der Belieferung von Baustellen genutzt werden. Dabei gibt sich Pérez große Mühe, nicht zu plakativ als neuer Herrscher von Hochtief zu erscheinen. Der deutsche Konzern soll an der Frankfurter Börse notiert bleiben, der Firmensitz in Essen bleibt unangetastet, und offenbar soll auch der Hochtief-Vorstandsvorsitzende Herbert Lütkestratkötter seinen Posten behalten.
Doch egal wie die Bundesregierung nun handelt, es ist und bleibt ein Schuss in den Ofen. Das Vorgehen von ACS ist nicht nur legal, sondern auch legitim.
Der spanische Baukonzern ACS hat in der vergangenen Woche für die geplante Übernahme des deutschen Konkurrenten Hochtief ein Angebot gemacht, das deutlich unter dem geschätzten Marktwert liegt.
Fachleute gehen davon aus, dass ACS in diesem ersten Schritt nicht wirklich die Kontrolle der deutschen Firma übernehmen will, sondern lediglich mehr als 30 Prozent der Anteile haben möchte. Das ist der Grenzwert, bis zu dem nach deutschem Recht ein Übernahmeangebot nötig ist.
Im Moment hält ACS 29,9 Prozent. Wenn dieser Wert minimal überschritten ist, könnte ACS in Zukunft in jedem beliebigen Moment und in beliebiger Menge Aktien kaufen, bis das Unternehmen die Kontrolle von Hochtief übernimmt, ohne ein weiteres Angebot zu unterbreiten.
Eine Gesetzesänderung dürfte die laufende Operation – das Überschreiten der 30 Prozent – nicht beeinträchtigen, könnte die zukünftige Kontrollübernahme von ACS über Hochtief aber erschweren.