Raymond Ibrahim, Hudson New York, 17. November 2010

Vor einiger Zeit vermerkte ich, dass Muslime die schlimmsten Aspekte des Islam(ismus) auf die Kopten, die christliche Minderheit Ägyptens, projizieren. Das warf weitere Fragen auf: Ist die islamistische Projektion auf die Kopten ein einzigartiges Phänomen? Projizieren Muslime auch auf andere nicht muslimische Minderheiten? Gibt es da einen Trend?

Um diese Frage beantworten zu können, schien es logisch damit zu beginnen, wie Islamisten ihren Erzfeind angehen: Israel und die Juden. Da ich glaubte, das könnte schwierig zu beweisen sein – es ist eines, seinen Feind zu hassen, aber etwas anderes, unbewusst die eigenen schlimmsten Wesenszüge auf ihn zu projizieren – erwartete ich, dass es einige Recherche benötigen würde. Ich ging zu MEMRI und siehe da, stolperte über drei aufeinander folgende Auszüge, insbesondere die kursiv geschriebenen Teile:

Am 7. September machte der ägyptische Kleriker Abdallah Samak die folgenden Aussagen im Al Rahma TV: „Die Juden sind für ihre gnadenlose, mörderische und blutdürstige Art bekannt. … Die oberste Eigenschaft der Juden – die in der Bibel vorkommt – ist die, dass sie immer zum Kampf bereit sind. Sie glauben, dass es ihr Schicksal und ihre Bestimmung ist sich in einem Zustand des immerwährenden Krieges zu befinden. Das wollen wir nicht. Wir streben Frieden und Sicherheit an. Wir wollen Liebe verbreiten. Aber wir haben es mit einem Volk, einer Gesellschaft zu tun, die glaubt, dass ihr Schicksal mit Krieg verbunden ist. Der oberste Charakterzug der Juden ist, dass sie ein Volk sind, das glaubt, sein Schicksal sei mit Krieg verbunden. Sie können nicht ohne Krieg leben. Sie können nur leben, wenn sie andere angreifen. Sie können nur durch Vernichtung, Rache und Unbarmherzigkeit leben.“

Fakt ist, dass die Idee des „immerwährenden Krieges“ aus der muslimischen Doktrin und Geschichte stammt – am besten erkannt im Wort „Jihad“ – und keine Begleiterscheinung des Judentums oder einer anderen Religion ist. Selbst zeitlich begrenzte Waffenstillstände sind nur dann erlaubt, wenn Muslime schwach sind und nicht in der Lage in die Offensive zu gehen: Nach der Scharia, ist der Muslim, wenn er stark genug ist und entsprechende Führung hat (z.B. einen Kalifen), verpflichtet das Reich des Islam durch offensiven Jihad auszudehnen, bis – in den Worten des Koran – „alle Religion Allah gehört“ (Sure 8,39). Die Geschichte bestätigt diesen Denkansatz zweifelsfrei. Darüber hinaus sind die vielen im Alten Testament sicherlich vorhandenen Hinweise auf Gewalt historischer, nicht doktrinärer Natur. Im Gegensatz dazu sind sich mit Gewalt beschäftigende Koranverse im Gesetz der Scharia festgeschrieben worden und haben damit eine juristische und immerwährende Qualität (nehmen Sie das Wort „bis“ in den gewalttätigsten Passagen des Koran zur Kenntnis, z.B. Sure 9,5 und 9,29; lesen sie hier, wenn Sie mehr zu den Unterschieden zwischen jüdisch-christlicher und muslimsicher Gewalt wissen wollen). Dadurch, dass er hinzufügt, Muslime „wollen keinen“ immerwährenden Krieg, sondern strebten nach der „Verbreitung von Liebe“, lügt Samak schließlich zur Tatsache, dass ihm ganz natürlich Muslime einfielen, nachdem der den „immerwährenden Krieg“ beschwor, womit er einen ziemlich viel sagenden Gedankengang bewies.

Am 8. Oktober machte der palästinensische Journalist Khaled Amayreh auf Press TV die folgenden Aussagen: „Die Israelis versuchen die Aufmerksamkeit der Welt von den naziartigen Verbrechen abzulenken, die Israel im Gazastreifen und der Westbank begeht, indem sie einen eingebildete Bedrohung namens Islamismus erfinden. Die Leute, die versuchen die Weltherrschaft zu übernehmen, einschließlich der Supermächte… wissen Sie… sind Zionismus, nicht Muslime… Das einzige Volk, das Europa und die Vereinigten Staaten übernimmt – sie tun das durch Lügen und durch Unwahrheit – sind die zionistischen Juden. Ich möchte nur etwas über das Land sagen… [Mit der Vorstellung, dass Gott das Land Israel und den Juden versprochen hat, versucht man] den Landraub im Namen Gottes zu legitimieren, so wie diese Kolonialisten in Nordamerika, die Millionen amerikanische Ureinwohner töteten, das „manifestes Schicksal“ nannten und den Völkermord an einem Tag namens Thanksgiving [Erntedank – heplev] feierten. Dieser Mann also [der andere Diskussionsteilnehmer] versucht Diebstahl, ethnische Säuberung und Völkermord zu rechtfertigen, indem er all dies dem Allmächtigen zuschreibt.

Wiederum werden Aspekte, die fester Bestandteil des Islam sind, auf die Juden projiziert. Nachdem er beklagt, dass die Juden „eine eingebildete Bedrohung namens Islamismus erfunden“ hätten, beschwört er selbst Märchen von Juden herauf, die die Weltmacht an sich reißen. Als Nächstes schreibt er den Juden „Lügen und Unwahrheiten“ zu, wenn in Wirklichkeit Täuschung ein gänzlich kodifizierter Aspekt des Scharia-Rechts ist und die islamistische Gesellschaft durchdringt. Schließlich beschuldigt er die Juden und die Amerikaner, mit der Anrufung Gottes „Landraub, ethnische Säuberungen und Völkermord zu rechtfertigen“; ehrlich gesagt ist die Geschichte des Islam eine Geschichte der Eroberungen, des Landraubs und der ethnischen Säuberung gewesen – alles im Namen Gottes. Die überwältigende Mehrheit dessen, was heute die „muslimische Welt“ genannt wird, wurde Nichtmuslimen mit Gewalt und Blutvergießen weggenommen. Selbst der arabisch-israelische Konflikt ist ein Nebenprodukt der Tatsache, dass Muslime sich durch Eroberung ein Stück Land nahmen (ca. 638), das Jahrhunderte früher den Juden gehörte. Was die ethnische Säuberung angeht, hat die Geschichte die vielen Völker und Sprachen vergessen, die entweder ausgelöscht oder in den Islam absorbiert wurden. Zu den modernen Beispielen ethnischer Säuberung gehören der Völkermord der Türkei an den christlichen Armeniern und Khartoums aktuelle „Säuberung“ des Sudan von Ungläubigen (Polytheisten und Christen).

Am 10. Oktober machte der ägyptische Kleriker Galal Al-Kahtib, während er die Schiiten mit den Juden verglich, folgende Aussagen im Al-Rahme TV: „Juden beschuldigen alle ihre Feinde Ungläubige zu sein… Die Juden glauben, dass alle Nichtjuden für alle Ewigkeit im Feuer der Hölle enden werden… Sowohl die Juden als auch die Schiiten billigen das Töten derer, die nicht mit ihnen überein stimmen. Wie die Juden bedienen sich die Schiiten des Verrats und der Täuschung, um diejenigen zu töten, die nicht mit ihnen überein stimmen. Sie nutzen dieselbe Methoden, um sich ihrer Gegner zu entledigen. Die Juden erlauben die Plünderung des Eigentums ihrer Gegner…

Erstens sind wenige Religionen so scharf darauf, die Welt in Gläubige und Ungläubige aufzuteilen, wie es der Islam ist; dieser teilt die Welt auf in den Wohnsitz des Islam (wo die Scharia durchgesetzt ist) und den Wohnsitz des Krieges (wo das nicht der Fall ist) und behauptet, dass die Armeen des ersten Krieg gegen die letzteren führen müssen – wie wir gesehen haben, wo immer es ihnen möglich ist. Darüber hinaus ist Muslimen über die Doktrin von „Loyalität und Feindschaft“ befohlen, sich von Nichtmuslimen zu trennen. Was die Juden und ihre „Anwendung von Verrat und Täuschung, um diejenigen zu töten, die nicht mit ihnen übereinstimmen“ angeht, so kommt das, wie schon erwähnt, direkt aus der muslimischen Doktrin: Mohammed selbst befahl die Ermordung mehrerer Dichter, einfach, weil sie ihn verärgerten; wichtiger noch: Er erlaubte den Mördern, ihre Opfer zu belügen – um ihr Vertrauen zu gewinnen und nahe genug an sie heran zu kommen, um sie zu ermorden. Schließlich legitimiert der Islam eindeutig die Plünderung des Ungläubigen – eine Langzeit-Quelle der Motivation der Soldaten des Islam.

Nach Angaben eines akademischen Artikels über Projektion und Gewalt, „erlaubt Projektion dem Mörder seinen (für ihn inakzeptablen) Wunsch zu töten (Folter, Vergewaltigung, Diebstahl, Dominierung usw.) auf eine Zielgruppe oder Zielperson zu projizieren. Das dämonisiert sein Ziel und macht es zu töten noch akzeptabler.“ Dann ist es kein Wunder, dass Israel und die Juden – das erste Ziel aller Islamisten – täglich von ihren Widersachern als nicht besser als die Islamisten selbst dargestellt werden.

(crossposted auf Nahost-Infos)