Die deutsche Wirtschaft boomt, tönt es aus den Medien, die Arbeitslosenzahlen sinken wie verrückt und Brüderle, McAllister und Co. träumen von Vollbeschäftigung (
„Damit ist das Ziel der Vollbeschäftigung wieder in realistische Reichweite gerückt“. O-Ton Brüderle)

Doch was ist dran, am neuen deutschen Wirtschaftswunder?
Nur ein Teil davon.
Das eigentliche deutsche Jobwunder, von dem derzeit viele reden, hat in erster Linie im Dienstleistungssektor stattgefunden. Tatsächlich hat die deutsche Industrie massiv Arbeitsplätze abgebaut. Die Zahl der verlorenen Industriejobs geht damit auf insgesamt 366.000 zurück, wie aus den am Montag veröffentlichten Zahlen des Statistischen Bundesamts hervorgeht.
Ingesamt entstanden im Servicesektor im vergangenen Jahr 330.000 Jobs – so auch in der Leiharbeit. „Es ist ein ganz klarer Trend, dass in den kommenden Jahren mehr Jobs im Dienstleistungssektor als in der Industrie geschaffen werden“, sagte Andreas Rees, Volkswirt von Unicredit. „Die Krise hat diese Entwicklung noch beschleunigt.“
Vor allem im Sozial- und Gesundheitsbereich seien kontinuierlich Stellen geschaffen worden. „Dieser Bereich ist so stark von der demografischen Entwicklung getrieben, dass der Jobaufbau relativ unbeeindruckt von der Konjunktur zunimmt“, sagte Andreas Rees. Im Dienstleistungsbereich habe es praktisch keine Rezession gegeben.

Durch den Dienstleistungssektor werden neue Billigjobs geschaffen, die unterhalb von Hartz-IV liegen und diese Entwicklung setzt sich mit wachsender Beschleunigung fort.
Die neuen Zahlen widersprechen somit dem Bild von der Industrie als Motor des Jobwunders, das viele Wirtschaftsvertreter in den vergangenen Monaten bemüht haben.
Das verarbeitende Gewerbe ist weiterhin von Kurzarbeit betroffen.  In dieser Branche werde die Beschäftigung das Vorkrisenniveau auch nicht mehr erreichen, sagte unlängst Frank-Jürgen Weise, Chef der Bundesagentur für Arbeit. Am Dienstag stellt die Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg die offizielle Arbeitslosenzahl vor.