Tunesien exportiert seine Revolution: Proteste und Tote in Ägypten, Jordanien, Algerien und im Libanon.
Noch hofft das Regime in Ägypten. Noch tröstet es sich damit, dass die Umstände, die am 14. Januar zur Revolution in Tunesien führten, ganz anders gelagert gewesen seien. Doch es bestehen auch Parallelen, die dem ägyptischen Langzeitherrscher Hosni Mubarak Angst einjagen müssten: die hohe Jugendarbeitslosigkeit, die Korruption, die wachsende soziale Kluft, die Perspektivlosigkeit.
Die Parallelen zu Tunesien liegen auf der Hand, doch einen Unterschied gibt es zwischen dem gestürzten tunesischen Präsidenten Zine el-Abidine Ben Ali und Hosni Mubarak in Ägypten. Jetzt können wir sehen, wie Mubarak nach 30 Jahren an der Macht über seine eigene Unfähigkeit zu regieren stürzen könnte.
In der Nacht sind erneut viele Ägypter auf die Straße gegangen. Obwohl die EU zur Zurückhaltung mahnt, geht die Polizei hart gegen Demonstranten vor. Die Lage in Ägypten bleibt weiter explosiv. Nach blutigen Zusammenstößen mit vier Toten kam es zu neuen Ausschreitungen. Bundesaußenminister Guido Westerwelle forderte von allen Beteiligten Gewaltverzicht und die Achtung von Menschen- und Bürgerrechten. EU-Chefdiplomatin Catherine Ashton forderte in Brüssel die ägyptische Regierung auf, „die Rechte der Ägypter zu respektieren und den Wünschen der Bevölkerung Gehör zu schenken“.
Mit Bewunderung blicken die arabischen Völker auf das kleine Tunesien, wo noch immer gegen die Übergangsregierung demonstriert wird. Dort hatte die Selbstverbrennung eines arbeitslosen Akademikers vor fünf Wochen zu landesweiten Protesten und schließlich zum Sturz des Präsidenten Ben Ali geführt, für den die tunesische Justiz inzwischen einen internationalen Haftbefehl ausgestellt hat.

Angespornt von Tunesien sammeln sich auch unzufriedene Jordanier immer öfter zu Protesten, nicht gegen König Abdullah II., das verbietet ihnen der Respekt vor ihrem Monarchen. Sie fordern den Rücktritt der Regierung wegen steigender Preise für Grundbedarfsmittel wie Brot, Öl und Benzin. Und sie wollen ihre Regierung in freien Wahlen selbst bestimmen können.

Nennt mir einen Tag im Jahr, an dem die Mohammedaner mal ohne Schaum vor dem Mund herumrennen. Daß es zur Abwechslung mal die eigenen Regierungen trifft und nicht unschuldige und ahnungslose Opfer (Christen, Kopten, andere „Ungläubige“, Kirchen, buddistische Statuen, Flaggen, Haustiere, Teddybären, Bibelverlage, Karikaturisten und Zeitungen etc.) ist reiner Zufall.

Dennoch stellt sich die Frage, ob diese Proteste auch auf Europa übergreifen, denn Dank der Bildungsresistenz gewisser Zuwanderer, in Europa, liegt deren Chance in der Perspektivlosigkeit zu verharren ähnlich hoch wie in Tunesien oder Ägypten.