Wegen des Streits um die Zuwanderung tunesischer Flüchtlinge wollen Italien und Frankreich Europas Außengrenzen stärker kontrollieren und die innereuropäische Reisefreiheit zeitweise aussetzen. Diese Reform des Schengen-Abkommens widerspricht dem Einheitsgedanken der EU, kritisieren Kommentatoren und fordern eine gemeinsame Migrationspolitik.

So schreibt der österreichische Standard:
„Nun stellen Paris und Rom die Schengener Freiheit direkt infrage. Die Flüchtlingswelle aus Nordafrika bietet einen aktuellen Anlass, doch in Wahrheit ist das Abkommen bürgerlichen Regierungen schon lange ein Dorn im Auge. Klar ist, dass nach dem Euro ein zweiter, sehr konkreter und zugleich hochsymbolischer EU-Pfeiler ins Wanken gerät: die Reisefreiheit von 400 Millionen Europäern. Und weder Sarkozy noch Berlusconi noch andere EU-Spitzen scheinen sich groß daran zu stoßen – trotz aller Europa-Bekenntnisse.“

Die spanische La Razòn
„Die Krise bietet die Gelegenheit eine Debatte anzugehen. Es muss das Ziel sein, endlich eine gemeinsame Antwort auf die Einwanderung zu finden – nicht eine Lösung, die nur von Frankreich oder Italien diktiert wird. Solche Maßnahmen könnten die Aufteilung der Last unter den Ländern einschließen, sowie die Verstärkung der Aufwendungen für Frontex und eine vereinte Asylpolitik.“

Die griechische Zeitung Ta Nea sieht allerdings in der jetzigen Erstürmung des europ. Kontinentes durch junge Tunesier eine Abschottung von Staaten wie Italien, Frankreich als auch Deutschland:
„Die einflussreichen europäischen Staaten suchen immer häufiger Schutz hinter einer Wand des Protektionismus. Mit ihrer Politik kehren die großen europäischen Staaten zur alten Rivalität zwischen den Großmächten zurück. Die starken Länder Europas verlangen sukzessive und bei jeder Gelegenheit die Souveränitätsrechte zurück, die sie dem supranationalen und manchmal vereinten Europa zugesprochen hatten.“

Wohingegend die franzöische Tageszeitung Ouest France die Integration in Gefahr:
„Diese Episode beleuchtet das Zusammenspiel der verschiedenen Außenpolitiken, derer es ebenso viele gibt wie Mitgliedsstaaten. Unter dem extremen Druck, der sich aus den Ängsten speist, reagiert jede Regierung je nach historischer, geographischer und wirtschaftlicher Nähe zu den Ländern, aus denen die Flüchtlinge stammen, und entsprechend ihrer innenpolitischen Herausforderungen. Das Fehlen einer gemeinsamen und dynamischen Sichtweise führt dazu, dass jeder für sich kämpft und fördert die Vision der Festung Europa.“

Doch wer wieviele Flüchtlinge aufnehmen soll, und wieviele noch aus den afrikanischen und vorderasiatischen vom Bürgerkrieg geplagten Staaten noch kommen werden und wie mit diesen verfahren werden soll, dass schreibt keine Zeitung. Traut man sich nicht die Wirtschaftsflüchtlinge zu kritisieren oder gar das Einwandern in die Sozialsysteme der europäischen Staaten?
Doch wenn sich die Politiker eines Landes entschliessen >20.000 Flüchtlinge aufzunehmen, dann sind es die selben Zeitungen, die über die Politiker herfallen.