„Herr, lass Hirn regnen!“ denkt man sich auch als Atheist, sobald man diesen Artikel der türkischen Nachrichtenagentur CNN türk liest. Es geht nämlich um Frau Sibel Üresin, die Familienbeauftragte zweier Stadtteile Istanbuls ist und die Legalisierung der Polygamie in der Türkei fordert.

Begründung: Im Koran sind bis zu vier Ehefrauen erlaubt. Scheiden kann man sich im Islam, dieser Religion des Friedens, diesem herzerwärmenden Stück göttlicher Umarmung, dieser Religion, die Liebe so hoch schätzt, mit einem einzigen Satz, den man lediglich drei Mal aussprechen muss. Besonders betroffen seien hiervon alle ab der 2. Ehefrau und das bedeute, dass die Frauen dann auf einmal nichts mehr hätten. Dem müsse man vorbeugen, indem man Polygamie gleich legalisiert und der Frau im Falle einer Scheidung Rechte zugesteht. Eine sehr intelligente Frau ist diese „Dame“, wahrscheinlich würde sie auch Zwangsehen legalisieren, damit die armen Täter nicht noch mehr Schwierigkeiten haben, Frauen zur Ehe zu zwingen, die gewaltsame Züchtigung kostet sie immerhin genug Kraft.

Frau Üresin fügt an dieser Stelle hinzu, dass man keinem Mann Polygamie vorwerfen könne, weil es im Koran erlaubt sei. Sie selbst würde polygam leben, wenn sie ein Mann wäre. Besser gesagt: wenn sie die entsprechenden Genitalien besäße, denn „Männlichkeit“ erfordert seit je her eben NICHT einen stark ausgeprägten Sexualtrieb, sondern geistige Höhe, die sich nicht in Animalie ausdrückt. Außer im Islam, da gibts Jungfrauen für Dschihad.

Es sei auch das Recht des Mannes, polygam leben zu wollen, da ein Mann von einer Frau erwarte, ein Freund, ein Sexspielzeug, eine gute Mutter und eine Hausfrau zu sein, das heißt: ein gutes Nutzobjekt zu sein. Wer hätte schon etwas anderes erwartet und käme schon auf die Idee, dass ein Mann in einer Frau mehr suchen könnte als eine kostenlose Dienerin und Dirne?

Man darf hier nicht vergessen, dass keine Ehe blumig ist, bevor der Mann mit Polygamie ankommt. Eine Frau, die Polygamie akzeptiert, musste sich psychisch an Misshandlungen bereits gewöhnt haben – durch Demütigung, Respektlosigkeit und viel körperliche Gewalt. Laut Üresin werden in der Türkei 80% der Frauen aufgrund ihrer „Zunge“, d.h. aufgrund ihrer laut ausgesprochenen Meinung, geschlagen. Wer käme da schon auf die Idee, Gewalt gegen Frauen zu anormalisieren? Frau Üresin nicht, für sie sind blaue Augen und Fremdgehen kein Grund für eine Scheidung, wie sie sagt.

Eine Frau hat ihrem Mann zu gehorchen, sagt sie. Und der Mann habe seine Frau gottbefohlen zu schützen. Mit Schläge und Fremdgehen wahrscheinlich, sonst stünde es nicht im Koran. Das seien jedenfalls die Regeln für ein harmonisches Familienleben. Noch einen Tipp gibt Frau Üresin: Frauen, die im Bett unglücklich sind, stellen immer einen Problemfaktor dar. Deshalb solle die Frau sich wie in konservativen Kreisen üblich zuhause etwas mehr auftackeln. Da fragt man sich: Warum lassen sich manche Frauen dann hängen und wollen gar nicht mehr attraktiv für den Mann sein, wenn sie sonst doch befriedigt werden würden? Ich vermute stark, dass hier ein Zusammenhang zu „Kein Sex vor der Ehe“ besteht. Heiratet man als Jungfrau, weiß man gar nicht, wie gut oder schlecht Sex sein kann und folgt man der Argumentation Üresins, gibt es wohl einige sexuell unbefriedigte Frauen in der Türkei, die deshalb vorlaut und geschlagen werden würden. Ob ihre Jungfräulichkeit der Frau die Möglichkeit nehmen soll, zu sehen, was für ein Versager ihr Ehemann im Bett ist? Wer weiß…

An Üresin wird deutlich, warum es auch Frauen gibt, die gegen das Burkaverbot kämpfen. Es sind Unmündige, die die Legitimität ihrer Werte damit begründen, dass sie in einem Buch stehen. Was Zweifel oder eigenständiges Nachdenken bedeutet, kennen solche Menschen nicht. Während es Frauen mit solchen Gendefekten gibt, gibt es hundertfach mehr solche, die Unterdrückung als Unterdrückung wahrnehmen und unter den Gesetzen des Islam leiden. Religionsfreiheit bedeutet nicht Religionsdiktatur – Die Aufklärung empfiehlt den Vernunftsgebrauch nicht, sie FORDERT ihn und gesteht all denen, die ihre Vernunft nicht gebrauchen und sich stattdessen Büchern unterwerfen wollen keine Freiheit zur Bequemlichkeit zu. Und wie Üresin zeigt, sind solche Bücher vollgestopft mit alldem, was unserem Humanismus widerspricht, ebendem Humanismus, der in so langer Zeit hart erkämpft werden musste, gegen jede staatliche Zensur und jeden religiösen Fundamentalismus.

Eine humanistische Gesellschaft ist ohne aufgeklärte Menschen nicht realisierbar. Der Islamkuschelkurs bedeutet das Fördern der Verdummung, das Zugrunderichten aller moralischen Errungenschaften, das Bespucken all jener, die uns die Freiheit ermöglicht haben, in der wir heute leben.