Im Berliner Bezirk Neukölln haben sich laut Thilo Sarrazin mohammedanische Einwanderer von der Stadt abgekoppelt. Kann man hier erleben, wie sich Deutschland selber abschafft? Ein Besuch in der Parallelgesellschaft. Neukölln ist ein Stadtteil im Süden Berlins, ein Problemviertel. Der frühere Berliner Finanzsenator, Thilo Sarrazin, schreibt in seinem umstrittenen Buch „Deutschland schafft sich ab“, Neukölln habe sich zu einer Parallelgesellschaft entwickelt und zeige exemplarisch, wohin die mohammedanische Zuwanderung führe: in die Arbeitslosigkeit, die Jugendkriminalität, die mangelnde Bildung, in fehlende Deutschkenntnisse. In die Abschaffung Deutschlands eben.

Hier Auszüge aus einem Artikel der NZZ:

Es wimmelt von Café-Häusern mit Spielautomaten und Wettbüros für Pferderennen, vor denen dunkelhaarige Männer mit schwarzen Lederjacken angespannt auf ihre Wettzettel starren. Wenn das Hartz-IV-Geld ausbezahlt wird, herrscht hier Hochbetrieb. Ein islamisches Bestattungsinstitut steht neben Friseuren für Herren und Kinder sowie zahlreichen Brockenstuben, die in muffigen Räumen hinter dreckigen Schaufenstern Trödel verkaufen. Der Verputz an den Häusern ist schwarz von den Abgasen, der Gehsteig holprig. „Halt ’s Maul, Sarrazin!“ steht auf einem Plakat. Nachts wird die Flughafenstrasse zum Rotlichtmilieu. Türkische und arabische Männer bestellen in den Wasserpfeifen-Klubs, sogenannten Shisha-Bars, Prostituierte, zumeist bulgarische Roma-Frauen. Nicht nur die Dichte der Bordelle ist im Norden Neuköllns am grössten, auch jene von Moscheen. 21 stehen hier.

Ihnen fehlen Perspektiven, Vorbilder. Nach ihren Berufswünschen gefragt, sagen manche Neuköllner, ohne mit der Wimper zu zucken: „Ich werde Hartzer.“ Wen erstaunt’s? Ihre Väter sind Hartz-IV-Empfänger. Sie leben ihnen vor, dass man nicht schuften muss, um Geld zu erhalten. „Die Eltern haben keinen Ehrgeiz, dass die Kinder etwas lernen, etwas Besseres werden sollen“, sagt Buschkowskys Migrationsberater Arnold Mengelkoch. Deutsche Tugenden wie Fleiss, Pflichtbewusstsein und Leistungswille scheinen nichts mehr wert. Es ist diese bildungsferne Schicht, die Neukölln zu schaffen macht. Und: Genau diese Gesellschaftsschicht wächst. „Die sagen uns: Deutschland ist schön, nur die Deutschen stören„, sagt Bürgermeister Buschkowsky. Das Klima ist so gewalttätig, dass sich Polizei und Jugendamt oft scheuen, das deutsche Recht durchzusetzen.

Wer es sich leisten kann, zieht weg. Das sind nicht nur Deutsche, sondern auch integrierte, aufgestiegene Türken und Araber. „Sie stimmen mit dem Möbelwagen ab“, pflegt Buschkowsky zu sagen. Sie wollen nicht, dass ihre Kinder hier aufwachsen und von Anfang an benachteiligt sind. Sie wollen auch nicht von ihren eigenen Landsleuten im Supermarkt beschimpft werden, nur weil ihre Töchter kein Kopftuch tragen. Deshalb flüchten sie aus Neukölln. Auch viele ältere Menschen gehen. Sie sind es leid, in türkischen Supermärkten türkisches oder arabisches Fleisch, Brot und fremde Süssigkeiten kaufen zu müssen – ohne den Schwatz mit der Verkäuferin.

Ungelernte Hilfskräfte haben kaum noch Chancen, eine Stelle zu finden. In den Jobcenters kriegen sie keinen Job, aber Geld. „Mit Hartz IV und dem Kindergeld verdienen sie mehr als ein Professor an der Uni in Beirut“, sagt Mengelkoch. Also blieben sie.