Die Kritik der Rating-Agenturen ist berechtigt, doch der Zeitpunkt irritiert. Die Verschuldung hat sich in Italien nicht über Nacht aufgebaut. Das gilt auch für die anderen Schulden-Staaten.

Die Rating-Agenturen kommen mit ihren Herabstufungen zu spät. Das ist der erste Kritikpunkt. Sehr irritierend ist auch der genaue Zeitpunkt. Betrachten wir die 3 jüngsten Herabstufungen: Griechenland wurde herabgestuft, als das Land zeitgleich mit der EU verhandelte. Die Stimmung war ohnehin nervös. Die Bevölkerung drohte das demokratische System zu kippen. In dieser Lage war die Rating-Herabstufung Gift für das Verhandlungsklima.

Und so ging es weiter: In Portugal wurde eine Regierung gewählt, die als sehr reformwillig gilt und drastische Sparmaßnahmen plant. Normal ist, wenn es nach einem Regierungswechsel eine Schonfrist von 100 Tagen gibt, damit die Regierung erste Eckpunkte beschließen und umsetzen kann. Ende August werden auch neue Daten veröffentlicht. Wenige Tage nach der Regierungsbildung folgt aber plötzlich ohne Vorwarnung die Herabstufung. Die neue Regierung hatte keine Chance, vorab zu reagieren. Ein sehr ungewöhnlicher Schritt der Rating-Agenturen.

Aktuell steht Italien unter Dauerfeuer, wie oben beschrieben. Die Kritik ist berechtigt, aber der Zeitpunkt überrascht wieder. Gerade in diesen Tagen hat die Regierung ein Sparpaket in Höhe von 40 Mrd. Euro beschlossen. Die Rating-Agentur Standard & Poor’s urteilt: Das Sparpaket reicht nicht.

An dieser Stelle wird die Geschichte fast schon zu einem Krimi. Welches Sparprogramm hat Standard & Poor’s untersucht? Die italienische Regierung verweist darauf, dass der Regierungsentwurf noch gar nicht veröffentlicht wurde. Es wurden nur einige Grundzüge in den Medien verbreitet.

Die EU-Länder Griechenland, Portugal, Spanien, Irland, Italien, Belgien, Slowenien, Ungarn, Rumänien und Bulgarien und die europäischen Drittstaaten Island, Ukraine, Weißrussland, Albanien, Kosovo etc. stehen alle auf der Pleiteliste! Wer kommt als nächster auf die Liste??? Griechenland, Portugal, nun auch Irland: Moody’s sagt Ramsch.

Natürlich stellt sich die Frage, warum die großen Rating-Agenturen die EU-Staaten systematisch unter Dauerfeuer nehmen.

Eine mögliche Antwort ist: Es gibt ein Interesse daran, dass Kapital aus Europa abfließt und im größten Anleihenmarkt der Welt (USA) neu angelegt wird. Wenn die Rating-Agenturen zu einseitig EU-Staaten angreifen und die USA mit einem nicht gerechtfertigten AAA-Rating belohnen, bekommen die Rating-Aktivitäten einen bitteren Beigeschmack.