Am 1. Juni wurden in Afghanistan durch 300 Extremisten 16 Polizisten entführt und hingerichtet. Auf der Internetseite LiveLeak.com ist ein gut fünfeinhalb Minuten langes Video aufgetaucht, das zeigt, wie drei Männer die Gefangenen mit Maschinenpistolen niederstrecken.
Die Männer waren im nordwestpakistanischen Distrikt Upper Dir entführt worden, als Uniformierte – auf den ersten Blick Soldaten – einen pakistanischen Grenzposten und anschließend das Dorf Shaltalo an der Grenze zu Afghanistan attackierten. Polizisten und Paramilitärs lieferten sich mit den Angreifern, die aus der afghanischen Provinz Kunar kamen, ein mehr als einen Tag dauerndes Gefecht. Nach offiziellen Angaben wurden 27 Polizisten und 45 Taliban getötet, doch jetzt räumt die Polizei ein, dass mehr Sicherheitskräfte ums Leben kamen – „mindestens 40“.
Die 16 verschleppten Polizisten wurden nach Angaben des Militärs „kurz nach ihrer Entführung“ in Gefangenschaft getötet, wie das Video belegt. Der Film zeigt, wie sie nebeneinander vor einem Sandwall stehen, die Hände auf dem Rücken gefesselt. Sie tragen keine Uniform, sondern Shalwar Kameez, den in Pakistan traditionellen Anzug aus knielangem Hemd und Pluderhose. Ein Mann mit verhülltem Gesicht, vermutlich ein Taliban-Kommandeur, beschimpft die Polizisten.
„Dies sind die Feinde des Islam, die aus Pakistan kommen“, sagt der Mann seinen drei mit Kalaschnikows bewaffneten Kameraden. „Sie sind vom Glauben abgefallen.“ Pakistanische Polizisten und Soldaten seien ihre Feinde, sie seien für den Tod unschuldiger Muslime verantwortlich. Jetzt werde man ihnen das Gleiche antun.
Dann tritt er zur Seite, ruft den Polizisten zu, sie sollten stillstehen, und gibt seinen Leuten den Befehl zu schießen. Die drei Schützen, ebenfalls maskiert, feuern auf die Polizisten. Die meisten sind sofort tot.
In Folge des Angriffs der Taliban Anfang Juni auf den Grenzposten kam es zu weiteren Attacken und teils tagelangen Gefechten zwischen Militanten und pakistanischer Armee. In Islamabad kursieren zudem Pläne, an sensiblen Stellen Grenzzäune aufzustellen und besonders unübersichtliche Gebiete zu verminen. Die Vorfälle belasten das ohnehin angespannte Verhältnis zwischen den beiden Nachbarstaaten. Sie zeigen, dass die Taliban in der Grenzregion wieder an Einfluss gewonnen haben.
Ein Krieg gegen den Terror, den die Allianz verloren hat und aus Afghanistan abziehen wird wie ein geprügelter Hund, ohne auch nur etwas erreicht zu haben, außer Opfer zu produzieren.