Hiroki Terai hat selbst für japanische Verhältnisse, wo lebende Werbeschilder und Parklücken-Einweiser zum Alltag gehören, einen ungewöhnlichen Job. Terai ist nach eigenen Angaben nämlich Japans erster Scheidungsfeier-Organisator. „Ich möchte Paaren die Möglichkeit geben, ihre Ehe auf eine positive Weise zu beenden“, sagt Terai. Die Partygäste sind dabei oft die gleichen wie bei der Hochzeitsfeier – inklusive Eltern und Verwandten. Mitunter zeugen nur die Namen der gemeinsamen Kinder auf der Einladungsliste davon, dass inzwischen viel Zeit vergangen ist.
Am Ende der Scheidungsparty wird der Ehering mit einem gemeinsam geführten Hammer zerschmettert.

Auch das Programm orientiert sich am Ablauf einer Hochzeitsparty. Doch statt Dankesreden zu halten, erklären die Eheleute zu Beginn der Feier, warum sie sich scheiden lassen, wie sie ihr gemeinsames Vermögen aufteilen, wer das Sorgerecht für die Kinder bekommt und alles, was sie Freunden und Verwandten später sowieso irgendwann einmal erklären müssen. Statt Schulfreunden, die witzige Anekdoten aus alten Zeiten erzählen, geben Freunde mit Scheidungserfahrung Tipps für das neue Leben nach der Ehe.
Höhepunkt der Feier ist schließlich das Zerschmettern der Eheringe mit einem Hammer. Ähnlich wie beim Anschneiden der Hochzeitstorte hält das Paar dabei den Hammer gemeinsam. Der Froschkopf auf dem Griff steht dabei symbolisch für den Wandel, vor dem das Paar steht. „Kaeru“ heißt auf Japanisch sowohl „Frosch“ als auch „Veränderung“, aber auch „zurückkommen“. Wer möchte, kann die kaputten Ringe anschließend einem Porzellanfrosch ins Maul stecken, damit jeder sein Glück zurückbekommt. Nach der Scheidungsparty gehen die Eheleute dann zum Rathaus, um im Rahmen eines kurzen bürokratischen Vorgangs die Scheidungspapiere auszufüllen.
Die Stimmung bei den Partys sei immer sehr feierlich, sagt Terai – auch wenn viele Ex-Partner innerlich sehr mit sich kämpfen müssten, wenn sie über die Gründe für das Scheitern ihrer Ehe sprechen. 50.000 bis 60.000 Yen (450 bis 540 Euro) geben die Paare durchschnittlich für die Scheidungsparty aus. Für mehr als 20 Paare hat Terai seit dem vergangenen Sommer bereits solche Feiern arrangiert. Etwa 900 Anfragen stapeln sich noch auf seinem Schreibtisch und zeugen vom riesigen Wachstumspotenzial dieses Marktes. Beinahe jede dritte Ehe wird in Japan heute geschieden. Und die Kurve deutet unaufhaltsam nach oben: Nach Angaben des Wohlfahrtsministeriums wurden allein im Jahr 2009 mehr als 250.000 Ehen geschieden – fast doppelt so viele wie vor 30 Jahren.
Party-Planer Terai arbeitet mittlerweile auch mit einem Reiseveranstalter zusammen, der „Scheidungsausflüge“ organisiert: Die Eheleute fahren in getrennten Rikschas durchs die Tokioter Altstadt und werden vor einem auf Scheidungsfeiern spezialisierten Restaurant abgesetzt. Und es gibt mittlerweile sogar eine Spielsoftware fürs Handy, mit der man Scheidungen simulieren kann.
Doch manchmal hat die Scheidungsparty offenbar auch unerwartete Folgen. Mindestens zwei von Terais Kunden haben sich nämlich nach ihrer Scheidungszeremonie überlegt, es doch noch einmal miteinander zu versuchen.