Hunderte Wahlplakate säumen derzeit Berlins Straßen, Renate Künast oder Klaus Wowereit sind darauf zu sehen. Seit einigen Tagen stößt man auch auf ganz andere Plakate. „Es muss ein Schluck durch Deutschland gehen“, steht da in großen Buchstaben auf rotem Grund oder „Sicher über die 5%“, untermalt mit einer braunen Bierflasche und dem Slogan „Sternburg Bier – Die beste Wahl.“ Moment mal. Bier-Reklame?

Vor allem die seriösen Politiker Berlins dürften sich auf den Schlips getreten fühlen. Sie versuchen sich mit ernstem Wahlkampf und werden nun von einer Werbekampagne hoch genommen. Sternburg-Chef Martin Zapf versucht dem Thema die Brisanz zu nehmen. „Wir haben uns lange Gedanken über die Kampagne gemacht, denn wir wollen nicht in ernsthaften Wettbewerb mit den politischen Botschaften treten. Uns geht es überhaupt nicht darum, den Wahlkampf zu stören oder politisch Stellung zu beziehen – denn natürlich nehmen wir den Wahlkampf sehr ernst. Wir haben uns nur ein bisschen augenzwinkernd in das Thema eingemischt „, sagt Zapf.

Nicht nur für die Parteien, auch für die Berliner Ordnungsämter bedeutet die Kampagne Ärger. Denn die Werbung der Brauerei ist in dieser Form nicht legal, sagt Alexander Scharries vom Bezirksamt Berlin-Mitte. Er ist als Fachbereichsleiter Ordnung dafür zuständig, dass die Plakate wieder aus Berlins Straßen verschwinden. Mit illegalen Guerilla-Werbeaktionen kennt er sich aus. „Das haben wir in Berlin sehr viel: Plakate an Stromkästen, Häuserwänden oder Bauzäunen.“

Vor allem Studenten würden sich oft ein paar Euro dazu verdienen, in dem sie illegale Werbung für Unternehmen machen. Das Ordnungsamt ist gegen die Flut illegaler Plakatierer oft hilflos. „Jeder kann sich heute zu Hause oder in einem Copy-Shop selbst Plakate drucken“, sagt Scharries.