Ankara hat die Visumpflicht für mehrere Länder des Nahen Ostens aufgehoben, darunter auch Syrien und Libyen. Für Europa bedeutet dies eine Verschärfung der Sicherheitslage. Denn wer erstmal ohne Visum problemlos aus dem Nahen Osten in die Türkei gelangt ist, der wird danach auch relativ leicht ein Schlupfloch in die EU finden. Daher wird seitens der EU die Visumliberalisierung Ankaras als Konfrontation mit den europäischen Ländern gewertet. Die Türkei, die Vollmitglied der Europäischen Union werden möchte, setzt mit der Grenzöffnung in Richtung Nahost ein eindeutiges Signal. So wurde der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan in Saudi-Arabien gefragt, ob sich mit einer EU-Mitgliedschaft der Türkei seine Politik gegenüber muslimischen Ländern ändern würde. Er antwortete mit einem Koran-Zitat: „Strebe nach dem, was richtig ist, wie es (von Gott) befohlen ist.“ Zugleich kritisierte er mit scharfen Worten die EU, die den türkischen Beitrittsbewerber vor der Tür stehen lasse.
Der Fall wird durch die türkischen Forderungen aber noch komplizierter: So drängt Ankara auf eine visafreie Einreise in die EU. Nach entsprechenden Abkommen gebe es keinen ausreichenden Grund mehr, Türken die Einreise ohne Visum zu verweigern. Ankara hatte kritisiert, daß Serben, Mazedonier und Montenegriner bereits ohne Visum in EU-Länder einreisen dürfen, der Türkei dies ungeachtet der bereits laufenden Beitrittsverhandlungen mit der EU aber verweigert wird. Bereits jetzt gibt es Probleme zwischen der Türkei und Griechenland, da Athen den türkischen Grenzschutzbehörden vorwirft, Schiffe mit illegalen Immigranten ungehindert zu den Inseln des EU-Landes Griechenland durchfahren zu lassen. Der stellvertretende Direktor der EU-Grenzschutzbehörde „Frontex“, Gil Arias Fernández, weist auf zahlreiche Fälle hin, bei denen die türkischen Patrouillenboote den Schleppern gegenüber ein Auge zudrücken. Es besteht zudem ein bilaterales Rücknahmeabkommen zwischen Griechenland und der Türkei, doch hält die Türkei dieses Abkommen nicht ein. Schätzungen der griechischen Behörden zufolge warten tausende Einwanderer an der türkischen Küste auf eine Gelegenheit, die kurze Distanz nach Europa auf dem Seeweg zu überqueren. Während der Zustrom von illegalen Einwanderern nach Italien und Spanien abgenommen hat, sind die Inseln Leros und Patmos neue Schauplätze der illegalen Migrationswellen aus Asien und Afrika. Die Abschaffung der Visapflicht für Länder des Nahen Ostens dürfte den Druck auf Europa noch erhöhen.
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