Die Globalisierung ist in die Kritik geraten. Längst verwehren sich nicht mehr bloß linksgerichtete Kräfte gegen die vermeintlichen Segnungen des immer kleiner werdenden Globus‘. In Frankreich regt sich Widerstand gegen die Idee einer verschmolzenen Welt. Vorreiter dieser Entwicklung ist der Front National, doch mittlerweile bekennen sich auch die französischen Sozialisten zum Protektionismus.

In Frankreich sind sich die Bevölkerung und die politik einig, dass es das Ende der Stahlindustrie ist, da der weltweit größte Stahlhersteller, Arcelor Mittal, das Werk in Florange stilllegen will.

Frankreichs Opposition schlägt deshalb nationale Töne an. Präsident Nicolas Sarkozy hätte nicht zulassen dürfen, dass Ausländer Schlüsselzweige der Industrie kontrollieren, kritisiert der bei den Vorwahlen der Sozialisten für die Präsidentenahlen drittplatzierte Arnoud Montebourg. Er fordert Protektionismus innerhalb Europas, nötigenfalls auch im französischen Alleingang. Darin sieht er das alleinige Mittel, der Globalisierung beizukommen und wieder Kontrolle über die Wirtschaft zu erhalten.

Um dieses Ziel erreichen zu können, schlägt Montebourg ein Paket an Maßnahmen vor: Banken sollen mit einem Spekulationsverbot belegt werden. Zusätzlich sollen sie in Geschäfts- und Investmentbanken gesplittet werden. Filialen französischer Institute in Steuerparadiesen sollen geschlossen und eine nationale Finanztransaktionssteuer von 0,1 Prozent eingehoben werden. Erzielte Gewinne müssen im europäischen Wirtschaftsraum bzw. in Frankreich investiert werden. Ratingagenturen werden verboten. Sollte dieses Programm, das die Unterstützung der Mehrheit der französischen Bevölkerung findet, umgesetzt werden, bliebe auf den Finanzmärkten kein Stein auf dem anderen.

Der Front National und seine Vorsitzende Marine Le Pen gehen noch einen Schritt weiter. Sie fordert eine Renationalisierung der französischen Wirtschaft und den Austritt aus der Eurozone. Die Souveränität der Grand Nation soll zurückgewonnen werden. Gegenwärtig stellt ein enormer Schuldenberg das größte Hindernis für nationale Selbstbestimmung dar. Das Außenhandelsdefizit Frankreichs liegt aktuell bei 51 Milliarden Euro. Genau dieselbe Summe an Kapital muss aus dem Ausland zufließen, damit französische Bürger ihr Konsumlevel aufrecht erhalten können. Charles de Gaulle käme wohl das Grausen. Er war stets darauf bedacht, keine Schulden anzuhäufen, um die Unabhängigkeit seines Landes zu erhalten.

Mit etwas gekränktem Stolz blicken die französische Politik und Presse auf den deutschen Nachbarn. Man spricht gar vom „tugendhaften Deutschland“. Nicolas Sarkozy vermag sich mit der demographischen Entwicklung zu trösten: „Immerhin – 2030 wird es mehr Franzosen geben als Deutsche.“