Das Haushaltsdefizit in Portugal in diesem Jahr und die noch schlimmere Rezession im nächsten Jahr haben drastische Maßnahmen erfordert – viel drastischer als erwartet. Jetzt wird nicht mehr gefragt, ob die 14-prozentige Kürzung der Beamtengehälter und Renten fair ist oder nicht, ob das reicht oder ob noch mehr Sparmaßnahmen kommen. Niemand kennt die Antwort, aber wir wissen Folgendes: Nicht nur die Kürzung von Renten und Löhnen entlastet den Staatshaushalt. Es ist die einfachste Art der Haushaltskürzung, wenn auch die brutalste. Und es ist die sicherste Art, doch zugleich die unfairste.

Die portugiesische Regierung plant weitere Kürzungen bei den öffentlichen Verkehrsmitteln im Großraum Lissabon. So soll die Metro in den Abendstunden früher schließen. Die Portugiesen halten die Pläne für unsozial.

Zehntausende Menschen leben außerhalb und sind abhängig von öffentlichen Verkehrsmitteln, wenn sie zu später Stunde von der Arbeit nach Hause wollen. Wenn die Metro um 23 Uhr oder teilweise sogar um 21:30 Uhr geschlossen ist, degradiert das Lissabon nicht nur zur Dritte-Welt-Hauptstadt, sondern verringert auch das verfügbare Einkommen derjenigen, die dann mit dem Auto fahren müssten. Und wer keins hat oder nutzen kann, der kann ja ein Taxi oder das Fahrrad nehmen oder eben zu Fuß gehen. Seht zu wie ihr zurechtkommt. Und wenn man etwa den Mindestlohn von 485 Euro verdient, lohnt es sich kaum noch, zur Arbeit zu gehen. Tja, öffentliche Verkehrsmittel nach dem Abendessen sind ein Luxus, dem wir entsagen müssen.