Was für ein Service: Mohammed Ashan, ein Talib mittlerer Führungsebene, kam mit seinem eigenen Fahndungsplakat zur Polizei, um die Belohnung einzustreichen. Dabei blieb es aber nicht.

Wie verlockend 100 US-Dollar sein können, wurde vergangene Woche auf anschauliche Weise in der afghanischen Provinz Paktika deutlich. Die örtlichen Behörden wurden von einem Afghanen aufgesucht, der – so machte es den Anschein – den Sicherheitskräften ein wenig unter die Arme greifen wollte.

Mit einem Steckbrief ausgestattet verwies der Mann auf das Porträt des Gesuchten und forderte stolz die ausgeschriebene Belohnung ein. Die Geschichte wäre wohl keine Erwähnung wert, hätte das Bild nicht eine verblüffende Ähnlichkeit mit dem dahinter stehenden Mann aufgewiesen.

Nach einem Abgleich der biometrischen Daten bestätigte sich, was die irritierten Mitarbeiter nur schwer glauben konnten: der Afghane tätigte eine Selbstanzeige. Diese an sich vorbildliche Tat beruhte jedoch nicht auf einem reuevollen Sinneswandel.

Aschan wollte Belohnung einstreichen

Mohammed Ashan war lediglich gekommen, um die auf ihn eigens ausgesetzte Belohnung einzustreichen. Ashan, ein Talib der mittleren Führungsebene, wurde als Drahtzieher zweier Angriffe auf US-Truppen gesucht.

Der mutmaßliche Anführer einer Gruppe von Talibankämpfern habe, so der Vorwurf, mehrere Sprengstoffanschläge organisiert. Einem Bericht der „Washington Post“ zufolge ging sein Plan jedoch nicht auf: der geständige Taliban wurde umgehend festgenommen. Öffentliche Fahndungen sind in Afghanistan selten von Erfolg gekrönt.

Zu groß ist die Angst vor Vergeltung im Falle einer Kooperation mit den Sicherheitskräften. Auf eine diesbezüglich Trendwende wollen die Behörden aber nicht vertrauen. Sie kommen vielmehr zu einem anderen Ergebnis: „Dieser Mann war ganz klar ein Schwachkopf“.