Der Nationalismus hat auf der iberischen Halbinsel Tradition. Doch die Herausforderer sind nicht nur katalanische und baskische Separatisten.
Islamische Lobbys träumen immer lauter von einem neuen Al Andalus. Ihre Toleranz endet im Umgang mit der katholischen Kirche.
Und gerade die innerspanische Debatte um das Kosovo zeigt, dass die klassische Front der Nationalisten Verstärkung erhalten hat. Pikanterweise von einer Seite, mit der sich die Madrider Regierung weitaus schwerer tut als mit ungebärdigen baskischen und katalonischen Provinzpolitikern: dem radikalen Islam, der Spanien aus der Hand der Ungläubigen befreien will, koste es auch die nationale Einheit. Für Mullahs aus Marokko und Algerien ist das Kosovo zum Silberstreif am Horizont geworden: Ein unabhängiger muslimisch geprägter Staat im Herzen Europas beflügelt die Hoffnungen, dass die Verkünder des Islam in Spanien auf dem alten Kontinent neue Verbündete erhalten.
Auf der iberischen Halbinsel geht es allerdings um mehr als eine Reminiszenz an die mittelalterlichen Kalifate Südspaniens. Die sunnitisch-orthodoxe Bewegung „Tablighi Jamaat“ ist nicht nur in Andalusien anzutreffen. Spaniens Behörden beobachten auch in Madrid, Katalonien, Valencia, Alicante und auf den Balearen radikale Muslime und ziehen den Vergleich zur Strategie der Hamas: Hilfsbedürftigen Glaubensbrüdern wird Unterstützung angeboten. Nichtmuslime erleben die Mitglieder islamistischer Gruppen in der Regel als freundliche Helfer, die sich im Stil einer Nichtregierungsorganisation für eine bessere Gesellschaft einsetzen. Und für einen weltoffenen Islam in einem pluralistischen Spanien. Um der Toleranz zwischen den Religionen willen gilt es also, den Einfluss der katholischen Kirche zurückzudrängen.
Das Parlament verhandelt über ein Gesetz über die Gleichstellung von katholischen Kirchen und Moscheen. Der Entwurf sieht vor, die Kriterien für die Vergabe von Baugenehmigungen an beide Religionen zu vereinheitlichen. Glaubt man der katalanischen Regierung, ist das angesichts der üblichen Proteste in der Bevölkerung gegen Moscheebauten der einzige Weg zu wahrer Laizität.
Das neue Al Andalus braucht keine Kathedralen mehr.
Das europäische Herz des Islam soll eines Tages wieder in Spanien schlagen – dort wo der muslimische Glaube im Mittelalter verwurzelt war, ehe christliche Könige das Territorium zurückeroberten. Nach dem Willen der muslimischen Lobby wäre ein neues Al Andalus jedoch mehr als ein Brückenkopf des Islam in Europa. Es soll zugleich die Radikalisierung des Islam in Nordafrika fördern.
Auffallend ist der aggressive Duktus muslimischer Gruppen. Das Internetforum Islam para tod@s (Islam für alle) erhebt den Vorwurf, das „spanische Volk habe seine Geschichte und seine Wurzeln vergessen“. Al Andalus sei die Geschichte eines Genozids der Christen an Muslimen – und spanische Muslime sollten die Toten der christlichen Verfolgung in Andalusien nicht vergessen.
Gezielt setzen sie auf die allgemeine Unkenntnis der Geschichte und Geschichtsklitterung.
Wirklich ernst wurde es, als ein Imam nach Murcia reiste, gegen den in Marrokko mehrere Gerichtsverfahren anhängig waren – und die Veranstalter über die Medien mitteilten, die Behörden sollten sich nicht so haben – Spanien habe kein Problem mit dem radikalen Islam, sondern mit der eigenen Islamfeindlichkeit.