Andere Länder, wilde Sitten: Diese Lektion hat eine CDU-Delegation aus Hamm auf ziemlich schräge Art lernen müssen. Eigentlich waren die 32 Lokalpolitiker Ende Mai nur in ihre englische Partnerstadt Bradford gereist, um die Zusammenarbeit der Kommunen in der Behindertenhilfe voranzutreiben. Doch der Besuch schlitterte knapp an einem Debakel vorbei: Bei einer Kostüm-Party im Ort wurden die Gäste von Briten in Hakenkreuz-Uniformen und SS-Totenkopf-Mützen begrüßt. Die Westfalen reagierten entsetzt, die Gastgeber überfordert: Das Straßenfest gilt in Yorkshire doch als besonders charmantes Vergnügen.
Michael Pricking ist alles andere als eine Spaßbremse. Im Gegenteil: Als die Kollegen aus dem englischen Stadtrat anbieten, ihr traditionelles Straßenfest mit Vierziger-Jahre-Motto kennenzulernen, da freut sich der Fraktionschef aus Hamm. „Die Musik aus der Ära finde ich klasse“, sagt er.
Doch schon auf der nostalgischen Dampflok-Fahrt zum Fest ahnt die Delegation aus Hamm, dass die Briten es peinlich genau nehmen mit der Stilgenauigkeit: „Die Damen kamen in Fuchspelzmänteln an, die Herren in Militäruniformen.“ Pricking wischt sein wachsendes Unbehagen zuerst als „typisch deutsch“ beiseite: „Wir sind ja geprägt vom Zweiten Weltkrieg, dass wir uns so nicht zeigen würden. In England geht das halt.“
Damit gerät die Völkerverständigung aber schon an ihre Grenzen. Kaum bei dem Straßenfest eingetroffen, bekommt die CDU aus Hamm einen besonderen Einblick in eine britische Marotte: „Männer mit NS-Uniformen, Hakenkreuzen und Totenkopf-Symbolen marschierten an uns vorbei“, sagt der Fraktionschef, noch immer entsetzt. Am meisten aber verwundert ihn die Reaktion der Gastgeber: „Das sei Teil der Geschichte, hieß es einfach.“
Die wird in Bradford jedes Jahr wiederbelebt: Historische Fahrzeuge zeigen sich dann in dem Ort, die Straßen sind mit Wimpeln geschmückt, der Dress Code ist klar auf Vierziger Jahre getrimmt. Nazi-Uniformen gehören für manche Besucher wohl dazu. „Auf die SS-Symbole angesprochen, haben sie gesagt, es sei ein Scherz“, erinnert sich Pricking.
Die Wochenend-Nazis von Bradford sind auch Peter Hill vom Organisationskomitee im Ort peinlich – allerdings nur ein bisschen. „Man muss vielmehr fragen, ob es generell klug ist, deutsche Gäste zu einer Vierziger-Jahre-Party mitzunehmen“, sagt er. Ihm tut es leid, dass drei „geschmacklos verkleidete Gäste“ ein Fest in Verruf bringen, bei dem sich 10 000 Besucher amüsiert hätten.
Der Gestapo-Look kam bei anderen wohl auch gut an: „Viele haben sich neben den Männern fotografieren lassen“, erinnert sich Pricking. Zwei Fotos zieren inzwischen auch den Webauftritt der englischen Stadtteilseite.


Juli 1, 2012 at 7:37 am
The Left has a serious problem with these costume wearers.