Bundeskanzlerin Angela Merkel reiste am gestrigen Dienstag erstmals seit dem Ausbruch der Euro-Krise nach Griechenland. Begleitet wird ihr Besuch von heftigen Protesten: Bereits am Montagabend demonstrierten in Athen Tausende gegen die Krisenpolitik der Kanzlerin und der griechischen Regierung.

Angela Merkel will signalisieren, dass sie Griechenland in der Euro-Zone halten will, doch die Probleme des Landes sind damit noch lange nicht gelöst.

Angela Merkel bringt keinen einzigen Euro mit. Jemand der denkt, sein Henker kann ihn retten, ist vollkommen naiv! Merkel kommt nicht, um die Griechen zu retten, sondern um die deutschen Interessen zu sichern.

Erstens signalisiert Merkel, dass sie sich entschieden hat, Griechenland im Euro-Verbund zu halten.

Zweitens will sie Samaras den Rücken stärken – sie sieht ihn auf dem richtigen Kurs.

Und drittens will sie die Reform-Glaubwürdigkeit der griechischen Regierung persönlich testen.

Die Reise Merkels steht deshalb für nicht weniger als einen Stimmungswandel der Kanzlerin. Den letzten Ausschlag hat Merkels China-Besuch Ende August gegeben und das dortige flehentliche Bitten, den Euro – mit Griechenland – zu stabilisieren. Merkels Einsicht: Eine Situation, bei der im Falle des Abrutschens der Weltkonjunktur – wegen Europa – auch noch China und die USA in den Strudel gezogen würden, kann sich Deutschland nicht leisten.

Dieser Besuch ist ein Glücksspiel. Falls es in Athen zu chaotischen Zuständen kommt, wird dies die deutsche Bevölkerung in ihrem Glauben bestärken, dass Griechenland ein hoffnungsloser Fall ist.
Doch früher oder später müssen die drängenden Fragen geklärt werden. Muss die Schuldenlast Griechenlands erneut umstrukturiert werden, wie es der IWF andeutet? Oder braucht das Land gar eine dritte Finanzspritze? Der griechische Premier hat unlängst davor gewarnt, dass die Situation in Griechenland derjenigen der Weimarer Republik in den 1930er Jahren ähneln würde.
Stoff zum Nachdenken hat Merkel also genug.