Am 6. November trafen sich in Madrid die Repräsentanten der Gruppe 1 der spanischen Bankenvereinigung (AEB) zum Essen, also diejenigen der grossen Geldläden (es gibt Leute, die immer noch von “Finanz-Instituten” reden). Soeben hatte die Regierung verlauten lassen, sie wolle Gesetze ändern, um das Zwangsräumungsproblem in den Griff zu bekommen – und jetzt schrillten bei den Bankern die Alarmglocken.

Matías Rodríguez Inciarte war dabei, der Vizepräsident der Santander; Jaime Sáenz de Tejada, Direktor der BBVA für Spanien und Portugal; Robero Higuera, Vizepräsident der Popular; Jaime Guardiola, Vorstandsvorsitzender der Sabadell, José San Félix, Vorstandsmitglied der Banesto und der Präsident der Bankenvereinigung, Miguel Martín. Sie kamen überein “Lösungen zu suchen bezüglich eines Problems, das aus dem Ruder läuft, und sie der Regierung mitzuteilen, bevor traumatische Massnahmen getroffen werden, die dem Finanzsektor ersthaft schaden könnten”. Eine juristische Kommission wurde gegründet. Drei Tage später hatten die Banken bereits einen Plan parat, den sie dem Finanzministerium schickten, damit ihre Sichtweise berücksichtigt würde.

Doch dabei blieb es nicht. Viele Richter Spaniens schlossen sich dem sozialen Druck von der Strasse an und der Druck auf Rajoys Regierung wurde in den Folgetagen immer stärker. Nur deswegen sah sich die Madrider Zentralregierung gezwungen, eilig zu reagieren und sich, erstmals und ausnahmsweise, sogar mit der sozialdemokratischen Opposition an einen Tisch zu setzen, um eine Lösung zu finden. Die Banken sahen sich deswegen veranlasst, am 13. November noch eine eilige Sitzung einzuberufen, diesmal auf noch höherer Ebene: Alfredo Sáenz, Vizepräsident und Vorstandsmitglied der Santander; Ángel Cano, Vorstandsvorsitzender der BBVA, Ángel Ron, Präsident der Popular, Josep Oliú, Präsident der Sabadell und wieder Miguel Martín.

Doch was dabei herauskam, dass treibt nicht nur den Spanier die Zornesröte ins Gesicht.

Wer ein Haus und Hof kauft, darf für immer bleiben: Spaniens Premier Mariano Rajoy glaubt, eine Lösung für die schwere Immobilienkrise in seinem Land gefunden zu haben. Seine Verwaltung prüft gerade, ob man Ausländern, die eine Wohnung oder ein Haus im Wert von mindestens 160.000 Euro kaufen, nicht automatisch ein unbegrenztes Bleiberecht anbieten könnte.

Die Investoren werden nach den vorläufigen Plänen auch von der Verpflichtung entbunden, mindestens sechs Monate pro Jahr in Spanien leben zu müssen.

Nach dem ungebremsten Immobilienboom des vergangenen Jahrzehnts ist die Verzweiflung in der Branche groß. Die Immobilienentwickler sitzen offiziell auf einem Berg von 800.000 unverkauften Wohnungen. Experten schätzen die Zahl gar auf 3,5 Millionen.