Der venezolanische Präsident Hugo Chavez ist am Dienstag 58-jährig seiner Krebserkrankung erlegen. Die Regierung kündigte Neuwahlen in 30 Tagen an und ernannte Vizepräsident Nicolas Maduro zum interimistischen Staatsoberhaupt. Das Begräbnis des Linkspopulisten Chavez soll am Freitag stattfinden, eine siebentägige Staatstrauer wurde ausgerufen.

Im gesamten Land marschierten Truppen auf, um „den Frieden zu sichern“, wie Maduro im Staatsfernsehen sagte. Außenminister Elias Jaua erklärte am Dienstagabend dennoch, das Land befinde sich in „völliger Normalität“. Hochrangige Militärchefs sprachen Maduro im Staatsfernsehen ihre Solidarität aus.

Wenige Stunden, bevor Maduro den Tod des „Comandante“ verkündete, hatte er „historischen Feinden“ vorgeworfen, hinter Chavez’ Krebserkrankung zu stecken. Gemeint waren die USA. Der von Chavez als Nachfolger auserkorene Maduro ließ zwei US-Militärattaches ausweisen, die eine „Destabilisierung“ des Landes geplant haben sollen. Washington wies den Verschwörungsvorwurf als „absurd“ zurück.

Massen von rot gekleideten „Chavistas“ zogen am Dienstagabend durch die Hauptstadt Caracas, sangen die Nationalhymne und trugen wie bei einer Prozession Bilder des verstorbenen Präsidenten vor sich her. Auch in anderen Städten des Landes versammeln sich die Anhänger von Chavez. Chavez soll zwei Tage in der Militärakademie von Caracas aufgebahrt werden, bevor er am Freitag bei einem Staatsbegräbnis beigesetzt wird.

Landesweit wird Chavez mit 21 Kanonensalven geehrt, teilte Verteidigungsminister Diego Molero in der Nacht in der Hauptstadt Caracas mit. Bis zur Beisetzung von Chavez wird dann jede Stunde ein Kanonenschuss ertönen, wie die staatliche Nachrichtenagentur AVN berichtete.

Für Venezuela wurde eine siebentägige Staatstrauer ausgerufen, bis Freitag sollen alle öffentlichen Aktivitäten ruhen. Zu der Trauerfeier werden zahlreiche Staatsgäste erwartet, vor allem aus den befreundeten lateinamerikanischen Staaten, in denen der Linkspopulist Chavez in seiner 14-jährigen Amtszeit ungezählte Anhänger mobilisierte. Mehrere Länder Lateinamerikas, darunter Argentinien, Bolivien und Kuba, verhängten eine mehrtägige offizielle Staatstrauer.

Laut Verfassung müssen binnen 30 Tagen Neuwahlen ausgerufen werden. Eigentlich müsste Parlamentspräsident Diosdado Cabello die Amtsgeschäfte des Präsidenten bis dahin führen. Doch machte Jaua klar, dass Vizepräsident Maduro die Interimspräsidentschaft übernimmt. Maduro sei auch der Kandidat der Regierung für die anstehende Präsidentschaftswahl.

Maduro bezeichnete seinen politischen Ziehvater Chavez als „Comandante eterno“ (ewiger Kommandant). Chavez selbst hatte den 50-jährigen Maduro nach der gewonnenen Wahl im Oktober vergangenen Jahres als Vizepräsidenten berufen und ihn als Wunschnachfolger präsentiert. Der frühere Außenminister hatte den Tod des Staatschefs am Dienstag in einer Rundfunkansprache mitgeteilt. Kurz zuvor hatte er bei einem Krisentreffen der Regierung gesagt, dass die Krankheit von Chavez möglicherweise auf eine gezielte Infizierung durch Feinde des Landes zurückzuführen sei.

Chavez’ größter innenpolitischer Gegner Henrique Capriles, der ihm bei der Präsidentschaftswahl 2012 mit 45 zu 54 Prozent der Stimmen unterlegen war, mahnte das Land zur Einheit. „In diesen schwierigen Augenblicken müssen wir unsere tiefe Liebe und unseren Respekt für unser Venezuela beweisen“, schrieb er im Kurznachrichtendienst Twitter.