Was man aus fernen Parlamenten kennt, wie aus der Ukraine oder Russland, das greift nun auch in der BRD um sich. Nonverbale Kommunikation nennt man das und zeigt, dass nicht nur das Volk zusehends verdummt, sondern auch jene, die sich Politiker nennen.

Carl Maria Schulte kandidierte schon dreimal als unabhängiger Kandidat bei der Wahl zum Frankfurter Oberbürgermeister, zuletzt 2012. Auch das Amt des Bundespräsidenten strebte er bereits an. Der 60-jährige Publizist, Öko-Pädagoge und selbst ernannte Polit-Künstler war früher bei den Grünen aktiv und bezeichnete sich im Fragebogen von hr-online  als „Friedens-, Öko- und Occupy-Aktivist“. Was er sich bei der Verleihung des Bürgerpreises der Frankfurter Sparkasse nach Schilderung der Stadt Ende Juni erlaubte, passt jedoch kaum zu diesem Profil.

Bei der Feier im ehrwürdigen Kaisersaal im Frankfurter Römer soll Schulte den städtischen Protokollchef Karlheinz Voß niedergeschlagen haben. Einen entsprechenden Bericht der „Bild“-Zeitung  vom Donnerstag bestätigte ein Sprecher der Stadt gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Voß sei zu Boden gegangen und mit seinem Kopf gegen ein Klavier geknallt.

Anlass war offenbar, dass der 60 Jahre alte Protokollchef den unabhängigen Politiker zur Ruhe während der Preisverleihung für engagierte Ehrenamtliche gemahnt hatte. Schulte selbst sieht sich dagegen von der Stadt zu Unrecht beschuldigt.

Stadtsprecher Thomas Scheben sagte über den Abend der Preisverleihung, Schulte sei schon zuvor mit Zwischenrufen, Klimpereien auf dem Klavier und dem Aufreißen der Balkontür aufgefallen. Auch davor habe er mehrfach öffentliche Veranstaltungen gestört. „Es ist nicht das erste Mal, dass sich jemand bei einer Preisverleihung daneben benimmt, aber es ist das erste Mal, dass jemand gewalttätig wurde.“ Voß habe Prellungen, blaue Flecken und Schrammen bei dem Angriff erlitten, sagte Scheben.

Von Amts wegen sei nun Anzeige gegen Schulte erstattet worden, berichtete Scheben weiter. Die Stadt habe dem Politiker ein Hausverbot erteilt.

Schulte erklärt in seinem Widerspruch gegen das Hausverbot dagegen, er habe an dem Abend nur ein Fenster und später eine Tür öffnen wollen. Darauf habe sich Voß, der sich nicht als Mitarbeiter der Stadt zu erkennen gegeben habe, wie ein „Wachhund“ vor ihn gesetzt. Als er den Saal verlassen wollte, habe er aus Platzangst Voß leicht geschubst.

Von einer Anzeige gegen sich rät Schulte der Stadt ab. Einerseits sollte sich die Justiz besser um Wirtschafts- und Regierungskriminalität kümmern, erklärt er. Zudem bemühe er sich weiter um das Amt des Bundespräsidenten – und einen „Bundespräsidenten in spe“ zeige man nicht an.