Es waren die schwersten Krawalle seit Jahren in Hamburg, zahlreiche Polizisten und Demonstranten wurden verletzt. Insgesamt waren nach Polizeiangaben 7300 Demonstranten gekommen, um für den Erhalt des linken Kulturzentrums Rote Flora zu demonstrieren, darunter sollen bis zu 4700 dem linksextremen Spektrum zuzurechnen sein. Die Veranstalter sprachen von mehr als 10.000 Teilnehmern.

Die Polizei nahm insgesamt 21 Demonstranten fest. 320 seien vorläufig in Gewahrsam genommen worden.

Die gewalttätigen Auseinandersetzungen hatten kurz nach Beginn der Demonstration am Samstagnachmittag begonnen – schon im Vorfeld hatten die Behörden die Innenstadt zum „Gefahrengebiet“ erklärt. Vor der Roten Flora warfen Randalierer aus dem sogenannten Schwarzen Block Böller und Gegenstände in Richtung der Polizei, nachdem diese den Zug gestoppt hatte. Die Beamten reagierten mit dem Einsatz von Wasserwerfern und Schlagstöcken und drängten den Demonstrationszug zurück.

Die Grünen-Fraktion in der Hamburger Bürgerschaft beklagt die Eskalation der Gewalt und beantragt eine Sondersitzung des Innenausschusses. Das teilte die innenpolitische Sprecherin der Fraktion, Antje Möller, mit. In der Sitzung soll es darum gehen, warum die Demonstration schon zu Beginn von der Polizei gestoppt wurde und warum weitere Kundgebungen verboten worden seien. Möller sprach von einem Samstag „voller Gewalt und Eskalation“ auf der einen Seite und einem „ausgehebelten Demonstrationsrecht für Tausende, die friedlich demonstrieren wollten,“ auf der anderen Seite.

Auch Christiane Schneider von der Bürgerschaftsfraktion der Linken übte Kritik und warf der Polizei vor, gleich zu Beginn zur Eskalation beigetragen zu haben: „Ich habe den Eindruck, dass es die politische Absicht war, die Demonstration nicht stattfinden zu lassen.“

Wegen der Krawalle hatte die Polizei die Demonstration rasch aufgelöst. „Es hat von Anfang an eine aggressive Grundstimmung geherrscht, wir sind massiv angegriffen worden“, begründete Polizeisprecher Mirko Streiber den Schritt. „Das ist derart gewalttätig gewesen, das haben wir lange so nicht erlebt.“ Wie ein Polizeisprecher am Sonntagmorgen mitteilte, wurden 120 Polizisten verletzt, 19 davon schwer.

Über die Zahl von verletzten Demonstranten und Passanten gab es bis Sonntagmittag keine genauen Informationen. Nach Angaben linker Organisationen, die sich auf die Aussagen von Sanitätern berufen, wurden rund 500 Demonstranten verletzt, 20 davon schwer. Der Polizei verfügte nach eigenen Angaben über keine Zahlen zu verletzten Demonstranten und Passanten.

Hamburgs Innensenator Michael Neumann (SPD) verurteilte die gewalttätigen Ausschreitungen. Chaoten aus der gesamten Bundesrepublik“ hätten massive Gewalt ausgeübt, erklärte er. Der innenpolitische Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion, Kai Voet Van Vormizeele, sprach von „bürgerkriegsähnlichen Attacken“ auf die Polizei.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) kritisierte einen schweren Missbrauch des Demonstrationsrechts „durch Tausende militanter Gewalttäter“. Es sei nicht hinzunehmen, dass Polizeibeamte für ungelöste politische Probleme ihre Haut zu Markte tragen müssten, erklärte GdP-Chef Oliver Malchow.