leider nicht, aber Maßregeln kann sie gut und macht sie gerne. Doch dafür gab es eine Klatsche vom französischen Linkspolitiker Jean-Luc Melenchon.

Merkel hatte am Wochenende in der „Welt am Sonntag“ die bisherigen Reformanstrengungen in Frankreich und Italien als unzureichend eingestuft. Die EU-Kommission habe „deutlich gemacht, dass das, was bis jetzt auf dem Tisch liegt, noch nicht ausreicht“, sagte Merkel und hob hervor: „Dem schließe ich mich an.“
Nun weiß Merkel allerdings gut, dass Reformaufrufe aus Deutschland in Frankreich gar nicht gut ankommen. Der Erfolg der deutschen Wirtschaft, die beinahe halb so hohe Arbeitslosenquote, der Haushalt ohne Neuverschuldung – all das ruft in Frankreich Bewunderung, aber auch Neid hervor. Und vom Klassenbesten lässt sich niemand gerne die Leviten lesen. Melenchon machte daraufhin seinem Ärger auf Twitter Luft.

„Maul zu, Frau #Merkel“ Er fügte hinzu: „Frankreich ist frei.“ Merkel solle sich besser um die „Armen“ in ihrem eigenen Land und um die „ruinierte Infrastruktur“ in Deutschland kümmern.

Der Volkstribun Melenchon hatte in der Vergangenheit schon eine „engstirnige und sehr dogmatische Politik“ Merkels angeprangert. Der im August aus der Regierung geworfene damalige Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg, Galionsfigur des linken Sozialistenflügels, verglich Merkel sogar einmal mit Reichskanzler Bismarck.

Attacken aus dem Nachbarland ist Merkel also schon gewohnt, entsprechend reagierte ihr Sprecher Steffen Seibert am Montag mit einem Schulterzucken auf Melenchons „Maul zu“-Tweet. Selbstverständlich gelte für den Linkspolitiker die Meinungsfreiheit, sagte Seibert, vielleicht wäre aber eine „freundlichere Formulierung möglich gewesen“.

Dabei gibt es auch in der Regierung in Paris Unmut über das Merkel-Interview. „Wenn man bei den (französischen) Sozialisten Applaus bekommen will, muss man auf Deutschland einschlagen“, sagte ein namentlich nicht genannter französischer Minister dem Sender Europe 1.
Frankreichs Finanzminister Michel Sapin sagte unterdessen angesichts der deutschen Kritik, die Regierung in Paris setze ihre Reformen für Frankreich um und „nicht, um diesem oder jenem europäischen Politiker eine Freude zu machen“.