Von Bert Walther

Guten Morgen, all ihr Freunde der Deutschen Bank und andere Anhänger von Anwalts Liebling.

Was da auf 671 engbeschriebenen Seiten in drei Aktenordnern der Münchner Staatsanwaltschaft zu finden ist, hat es in sich – und wirft ein schlechtes Licht auf eine Branche, die eh nicht zu den Lieblingen im Lande gehört. Fünf ehemalige und aktuelle Vorstände der Deutschen Bank sitzen gemeinsam auf der Anklagebank.

Sie sollen nicht die Wahrheit gesagt haben, vor vier Jahren im Prozess um einen Milliarden-Schadensersatz für Leo Kirch, nach einer Pleite seines Firmenimperiums. Die Staatsanwaltschaft wirft den fünf Bankern vor, mit dieser Unwahrheit eine Zahlung an den einstigen Medienmogul verhindern zu wollen. Dies sei Prozessbetrug in einem besonders schweren Fall. Konkret geht es dabei um den Vorwurf, wonach die Manager der Deutschen Bank den Kirch-Konzern gezielt unter Druck gesetzt hatten, um nach dessen Pleite lukrative Beraterverträge für die Bank zu ergattern.

Ausgangspunkt allen Übels war das Fernsehinterview mit dem einstigen Banksprecher Rolf Breuer, in dem er eine fehlende Kreditwürdigkeit des Kirch-Konzerns öffentlich anprangerte. Im Nachhinein dürfte dies das teuerste Interview der Fernsehgeschichte geworden sein. Denn es kostete die Bank 925 Mio. Euro. Das ist die Vergleichssumme, auf die sich die Banker mit Kirch eben in dem Prozess vor vier Jahren vor dem Oberlandesgericht München einigten.

Wer sich einmal etwas tiefer mit der Vorzeigebank des Landes beschäftigt, der muss sich schon fragen, ob die Deutsche Bank beherrscht wird von seriösen Beratern oder eher von einer Verbrecherbande. Immerhin führt das Geldinstitut rund 6.000 Prozesse, davon 1.000 mit einem Streitwert von mehr als 100.000 Euro, erfuhren die Aktionäre vergangenes Jahr auf ihrer Sitzung. Der größte Teil davon resultiert aus dem Investmentbanking.

Und dessen einstiger Chef, Anshu Jain, der nicht in München auf der Anklagebank sitzt, ist selbst höchst umstritten mit seiner einstigen Einheit. Doch noch wird das Investmentbanking als der Gewinnbringer angesehen, hofiert von einigen Medien, wie die jüngsten Berichte über das aktuelle Quartalsergebnis zeigen. Aber es macht sich keiner so richtig die Mühe, hier einmal gegenzurechnen, ob nach Abzug aller Folgekosten aus dem Tun der Investmentbanker dieses Ergebnis tatsächlich noch Bestand hat.
Machen wir doch mal eine Probe aufs Exempel: Das Investmentbanking der Deutschen Bank brachte dem Geldinstitut 2013 und 2014 einen Gewinn vor Steuern von rund 6 Mrd. Euro ein. Eine beeindruckende Summe per se. Aber rechnen wir doch mal die Kosten gegen, die aus dieser Arbeit resultierten. So hat die Bank zwischen 2012 und 2014 Strafen von mehr als 6 Mrd. Euro gezahlt, die nicht zuletzt aus dem Investmentbanking resultieren.

Hinzukommen konkret die Folgen aus der Manipulation der Libor-Zinssätze. Der Libor benennt jene Zinssätze, zu denen sich Geschäftsbanken untereinander Geld leihen. An deren realer Festlegung hängen weltweit Geschäfte in Größenordnungen von Hunderte Billionen Dollar. Da haben nicht zuletzt Deutsch-Banker in London, dort saß Anshu Jain dem Laden dereinst vor, kräftig mitgemischt. Nun wird der Bank die Rechnung präsentiert: Zum einen eine Strafe der EU-Kommission in Höhe von 725 Mio. Euro, zum anderen ein Vergleich mit angelsächsischen Aufsichtsbehörden, die satte 2,3 Mrd. Euro von der Bank erhalten.
Diese Summen müssen den eingangs erwähnten Gewinnen der Investmentsparte der Deutschen Bank gegengerechnet werden. Darin sind noch nicht die unrühmliche Rolle der Bank bei der US-Subprime-Krise berücksichtigt, die 2008 zu einer weltweiten Finanzkrise führte, da die Deutsch-Banker diese Schrottkredite munter weiter handelten. Ebenso auch nicht die Vorwürfe der EU, wegen Betrügereien beim Handel mit CO2-Zertifikaten – mit möglichen Strafzahlungen.

Was bleibt dann letztlich vom Erfolgsmodell Investmentbanking, also dem puren Eigenhandel der Bank, übrig? Es ist ein System des Übergangs von der sozialen Marktwirtschaft, mit realen Werten, hin zu einem Finanzkapitalismus oder Kasinokapitalismus, mit einer aus den Fugen geratenen Geldwirtschaft und Geldvermehrung, ohne materielles Pendant.
Es bleibt letztlich nur die etwas abgedroschene Frage aus Bertolt Brechts „Dreigroschenoper“: Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer solchen? – Immerhin die Juristen wird’s freuen…