Wer eine Lehre als Altenpfleger beginnt, der hat eine hundertprozentige Jobgarantie. Angesichts der immer älter werdenden Gesellschaft werden auch immer mehr Altenpfleger gebraucht. Das Problem: Der Job ist nicht sonderlich beliebt und etwa jede dritte verfügbare Lehrstelle bleibt unbesetzt. Da verwundert es natürlich, dass die meisten Altenpflege-Lehrlinge in Sachsen-Anhalt und Thüringen noch immer Schulgeld zahlen müssen – und zwar monatlich bis zu 150 Euro.

An der WBS-Berufsfachschule in Halle zahlen Altenpflege-Azubis jeden Monat 55 Euro für ihre Ausbildung. Die WBS MUSS das Schulgeld nicht erheben, kann aber nicht darauf verzichten, sagt Fachbereichsleiterin Sandra Biewald: „Nein. Wir sind eine private Schule. Und wir müssen uns ja von irgendwas die Miete fürs Gebäude, die Stromkosten und auch die Gehälter der Lehrkräfte leisten können.“


Thomas Engemann vom thüringischen Verband privater Anbieter sozialer Dienste sagt: „Es ist völlig unverständlich, dass Auszubildende für ihre Ausbildung zahlen müssen in der Altenpflege. Wir haben es mit einem Mangelberuf zu tun. Das heißt, wir müssten auch staatlicherseits alle Anstrengungen unternehmen, um die Ausbildung attraktiv zu machen. Und wenn ich jeden Monat zwischen 70 und 150 Euro bezahlen muss als Auszubildender, dann ist das kein haltbarer Zustand.“

Im Freistaat Sachsen hat sich dieser Zustand jetzt geändert. Der Freistaat kündigte in der vergangenen Woche an, ab dem kommenden Ausbildungsjahr das Schulgeld an freien Schulen zu erstatten. 85 Euro pro Monat können sich Lehrlinge am Schuljahresende zurückholen. In Thüringen ist so etwas nicht geplant, teilte das Sozialministerium in Erfurt auf Anfrage von MDR Info mit. Eine ähnliche Antwort kam aus dem Kultusministerium Sachsen-Anhalts.

Der Fachkräftemangel im Bereich Altenpflege nimmt seit Jahren bundesweit zu. Prognosen zufolge wird es bis 2050 einen Zuwachs von zwei Millionen Pflegebedürftigen in Deutschland geben. Darum denke man auch über eine Abwerbung von Pflegekräften aus anderen Ländern nach.

Also ist tatsächlich ein Fachkräftemangel zu beklagen, allerdings ist dieser Hausgemacht und wohl auch gewollt. Und wenn die Politik und die Wirtschaft so weiterhin Fachkräftemangel fördern, so wird es wohl nicht mehr lange dauern bis man die Alten tatsächlich in andere Länder auslagert.