Der Präsident des niedersächsischen Städte- und Gemeindebunds, Marco Trips, sagte der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“: Das System ist schon zusammengebrochen.“ Es gebe auf dem Papier einen klaren Ablauf, „an den sich aber keiner mehr hält, weil die Ressourcen es nicht mehr hergeben„. Die Menschen kämen ohne Gesundheitsprüfungen in überfüllte Erstaufnahmeeinrichtungen, dann würden sie ohne Asylantrag auf die Kommunen verteilt. „Die Bearbeitung der Anträge dauert unglaublich lange“, sagte Trips.

Der Flüchtlingsansturm auf Deutschland überfordert zunehmend Kommunen und Länder.

Der Gutachter Dietrich Thränhardt kommt in einem Gutachten zu dem Ergebnis, dass Deutschland derzeit knapp 240.000 unbearbeitete Asylanträge vor sich herschiebt. „Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) kommt nicht hinterher“, sagte Thränhardt. Es gebe zu wenig „Entscheider“ in der Behörde. Der von der Bundesregierung zugesagte Stellenaufbau komme nur sehr zögerlich voran. Der Bearbeitungsstau „ist einmalig in Europa“, sagte der Migrationsforscher.

Der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD) sagte der „Welt“, das BAMF werde seine Prognose von 450.000 Asylbewerbern für 2015 erhöhen müssen.

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) forderte derweil besseren Schutz von Asylbewerbern vor ausländerfeindlichen Übergriffen. „Ganz gleich, aus welchen Gründen Menschen zu uns kommen und wie lange sie bleiben – wir müssen sie besser schützen“, schrieb Maas in einem Beitrag für das Redaktionsnetzwerk Deutschland. Deutschland sei seit den Brandanschlägen von Solingen und Mölln vor gut 20 Jahren weltoffener geworden. „Dieses neue, tolerante Deutschland müssen wir heute mit aller Macht verteidigen“.