• Italiens Außenminister kommentiert den Untergang eines Flüchtlingsboots, andere Politiker schließen sich an.

• Bisher aber konnten entsprechende Berichte nicht bestätigt werden.

Im Mittelmeer sind möglicherweise Hunderte Migranten beim Versuch der Überfahrt von Ägypten nach Italien ums Leben gekommen. Italiens Außenminister Paolo Gentiloni hatte bei einem Treffen der EU-Außen- und Verteidigungsminister in Luxemburg indirekt Meldungen bestätigt, dass Hunderte Menschen ertrunken seien. Was passiert sei, sagte Gentiloni, bestärke ihn in der Ansicht, dass Europa seine Politik grundsätzlich überdenken müsse. Es war zunächst allerdings nicht klar, ob er lediglich Medienberichte kommentierte oder eigene Informationen besaß. Im Außenministerium in Rom hieß es dann später, der Minister wisse nichts Konkretes. Man versuche, in Ägypten zusätzliche Informationen zu beschaffen.

In Kairo gab es zunächst keine Bestätigung offizieller ägyptischer Stellen für die Berichte über das Unglück. Die BBC zitierte den Geschäftsträger der somalischen Botschaft mit Aussagen zu dem Unglück, diese beruhten aber offenbar lediglich auf nicht bestätigten Berichten aus sozialen Netzwerken. Der somalische Regierungssprecher Abdisalan Aato sagte der Deutschen Presse-Agentur in Mogadischu, auf den Booten hätten sich etwa 500 Migranten befunden. „Nach unseren Informationen sind viele Somalier in dieser Tragödie ums Leben gekommen.“

Keine Bestätigung für das Unglück

Sowohl die griechische als auch die italienische Küstenwache teilten mit, sie hätten keine Informationen darüber, dass erneut ein Flüchtlingsboot gekentert sei. Italiens Küstenwache bestätigte lediglich, dass am Sonntag sechs Leichen in einem Schlauchboot gefunden wurden, aus dem 108 Flüchtlinge gerettet worden seien. In Genf sagte ein Sprecher des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR am Nachmittag, man stehe in Kontakt mit den italienischen und griechischen Behörden, könne das Unglück aber derzeit nicht bestätigen. Ähnlich äußerte sich die Internationale Organisation für Migration.

Dagegen zitierte das Internetportal Goobjoog News einen Somalier, ein Boot mit 500 Menschen an Bord sei am 12. April gekentert, nachdem es tagelang steuerlos durch das Meer getrieben sei und das einzige Satellitentelefon an Bord nicht funktioniert habe. Er befinde sich mit 23 anderen Geretteten auf der griechischen Insel Karpathos, wo sie am Sonntag aus dem Wasser gezogen worden seien. Sowohl die Küstenwache dort als auch das Hauptquartier in Athen dementierten, dass in der fraglichen Region am Sonntag Flüchtlinge gerettet worden seien, weder Somalier noch anderer Nationalitäten.