So will es die deutsche Politik und erst recht die deutsche Justiz. Denn wenn es nach deren Willen geht, so ist Notwehr/Nothilfe ebenso strafbar wie unterlassene Hilfeleistung.
Doch was soll man tun? Bestraft wird man so oder so.

Wer einen „gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff“ von sich oder einem anderen abwendet, handelt in Notwehr. So steht es in Paragraph 32 im Strafgesetzbuch. Genau das hat ein 22-Jähriger getan, als er im Juni 2015 in der Ludwigsburger Innenstadt einem Mann zur Hilfe kam, der zusammengeschlagen wurde, wie die „Stuttgarter Nachrichten“ schreibt. Doch das Amtsgericht Ludwigsburg verurteilte den Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung – weil er bei seinem Einsatz einen Menschen verletzte.

Folgendes hatte sich dem Bericht zufolge damals abgespielt: Vor einer Gaststätte wurde ein Mann von einer Gruppe betrunkener Jugendlicher umringt und zusammengeschlagen. Der Angeklagte schritt gegen die Täter ein, schlug um sich. Dabei erlitt einer der Beteiligten einen Kieferbruch, er gab später zu Protokoll, grundlos ins Gesicht geschlagen worden zu sein.

Das, erklärte der Angeklagte später vor Gericht, habe er nicht gewollt. „Ich hatte Angst, dass der auf dem Boden stirbt, wenn die alle weiter auf ihn eintreten.“ Zahlreiche Zeugen und auch das Opfer unterstützten die Aussage des Mannes.

Für die Staatsanwältin war es eine klare Sache: Der Angeklagte hatte in Notwehr gehandelt und sollte nicht bestraft werden. Doch die Richterin sah es anders. Zwar zweifelte sie nicht an, dass der Mann wirklich helfen wollte – doch ihrer Ansicht nach war er zu weit gegangen. „Das Ausmaß dieser Nothilfe war so nicht erforderlich.

Dem Bericht zufolge könnte er in einem Zivilprozess auf Schadensersatz verklagt werden. Rechtskräftig ist das Urteil noch nicht: Die Verteidigerin des Angeklagten kündigte an, in Berufung zu gehen.