Nach dem EU-Austrittsvotum der Briten hat der SPD-Vorsitzende Gabriel Reformen in Europa gefordert.
Die Gemeinschaft müsse so verändert werden, dass sie wieder mehr Zustimmung erhalte, sagte Gabriel auf einer SPD-Programmkonferenz in Berlin. Zugleich rief er die EU-Länder auf, auf junge Briten zuzugehen. Diese hätten mit großer Mehrheit für einen Verbleib des Landes in der EU gestimmt. Man könnte jungen Briten, die in Deutschland, Italien oder Frankreich lebten, etwa die doppelte Staatsbürgerschaft anbieten, meinte Gabriel. Sie hätten schließlich besser gewusst, als „die Snobs der britischen Elite“, dass es um ihre Zukunft gehe.

Sollten andere Länder nicht mitspielen wollen, so überlegte Gabriel laut, dass man den betroffenen Briten eben die deutsche Staatsbürgerschaft anbieten sollte.

Bereits vergangene Woche hatten sich Grünen-Politiker in diesem Sinne geäußert. Die EU-Staaten sollten jungen Briten auf dem Kontinent sofort Rechtssicherheit über ihren künftigen Status anbieten, sagte etwa die Grünen-Fraktionschefin im Europaparlament, Rebecca Harms. „Das kann vom Aufenthaltsrecht bis zum Angebot der Staatsbürgerschaft gehen.“

Derweil berichtet das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf), dass im vergangenen Jahr so viele EU-Bürger nach Deutschland zugewandert sind wie nie zuvor. 685.485 Ausländer aus EU-Staaten reisten 2015 nach Deutschland ein.

Die meisten EU-Einwanderer stammten aus Osteuropa: Wichtigstes Herkunftsland war Rumänien (174.779) vor Polen (147.910), Bulgarien (71.709) und dem jüngsten EU-Mitglied Kroatien (50.646).