Nigel Farage tritt ab – wurde er bedroht?

Posted on Juli 5, 2016 von

7



 

Ein böser Schlag für das britische Volk – das Werk des tiefen Staates?

Ein Schlag in die Magengrube: Nigel Farage hat heute „völlig überraschend“ (Euronews) kurz vor Mittag seinen Rücktritt als Chef der Unabhängigkeitspartei UKIP verkündet. Nach dem Verzicht von Boris Johnson auf die Kandidatur zum Premier ist damit die Brexit-Bewegung führerlos – und das in der Stunde der Gefahr, wo von allen Seiten dafür gearbeitet wird, das eindeutige Votum des Referendums zu ignorieren oder gar aufzuheben. Was passiert, wenn im Herbst neu gewählt wird und dann eine Regierung ans Ruder kommt, die sich dem Brexit-Votum nicht verpflichtet fühlt („Sorry, das Referendum war ein Fehler des dummen Cameron“)?

Mein Bauchgefühl sagt mir: Da ist etwas faul. Mit Farages Rücktritt stimmt was nicht. Seine Presseerklärung heute dauerte kaum mehr als 30 Sekunden, er sah extrem angespannt aus. Und auch was er zur Begründung für diesen spektakulären Schritt angeführt hat, passt nicht zu ihm! Ich hatte das Vergnügen, den Mann zwei Mal für mehrere Stunden zu erleben: 2010 auf unserer ersten großen Konferenz in Berlin, 2011 in Straßburg auf einer feucht-fröhlichen Fraktionsfeier in Straßburg bis in die Morgenstunden, und der Farage von heute ist nicht der, den ich kennenlernen durfte.

Was nicht zu Farage passt, sind zum Beispiel folgende Punkte:

Er sagte in der Rücktrittsbegründung, er wolle „sein Leben zurück“ und er habe nie Berufspolitiker sein wollen. Sorry: Er war Berufspolitiker, mit jeder Faser seines Seins, und das seit bald 25 Jahren. Er, der vorher aus der Finanzwelt kam, hat UKIP aufgebaut, er war ihr Hirn und Herz, ihr unbestrittener Führer. Und ausgerechnet jetzt, wo UKIP ihren größten Erfolg erreicht hat, sollte er abtreten – in der Stunde, wo der EU-Austritt vom Volk beschlossen, aber noch längst nicht operativ durchgesetzt ist? Das passt nicht zu Farage!
Er selbst sah in der Rücktrittserklärung voraus, dass er und UKIP bald noch gebraucht werden könnten. Seine Formulierung: „If there is too much backsliding by the Government and with the Labour Party detached from many of its voters then UKIP’s best days may be yet to come.“ Deutsch: „Wenn die Regierung jetzt (vom Brexit) zurückrudert und angesichts einer Labour-Partei, die sich von ihren Wählern entfernt hat, könnten die besten Tage von UKIP noch vor uns liegen.“ Ganz genau! Die UKIP hätte angesichts des Zerfalls der Altparteien die Chance, den nächsten Premier zu stellen, das wäre natürlich Farage – und ausgerechnet da soll er hinschmeißen??
Letzte Woche noch konnte man Farage in Hochform im Straßburger Parlament erleben, wie er es mit der gesamten Meute aufnahm und den Eurokraten an den Kopf schleuderte, sie hätten „noch nie im Leben richtig gearbeitet“. Der Mann sprühte vor Zorn und Energie, war im Vollgefühl seiner Kraft und elektrisiert von Erfolg – und so einer schmeißt hin?

Wurde Farage erpresst? Gab es Drohungen des Tiefen Staates, der Todesschwadrone der Finanzindustrie? Ich kenne Farage nur als unerschrockenen Mann – aber er hat eine Frau und Familie, dort setzen die Killer meistens an.

Am 1. Juli – acht Tage nach dem Triumph beim Brexit – schrieb Farage zum Jahrestag der Schlacht an der Somme 1916 einen düsteren Post auf Facebook: „Remember those who went before us and made great sacrifices for our freedom.“ Auf deutsch: „Erinnert Euch jener, die uns vorangingen und große Opfer für unsere Freiheit brachten.“ War er da schon am Überlegen, ob er bereit sein würde, ein „großes Opfer“ für die Freiheit Britanniens bringen zu müssen? Sein Leben oder das seiner Liebsten?

Ich kann an dieser Stelle nur spekulieren. Aber mein Bachgefühl sagt mir: Die Sache stinkt. Und für die Finanzhaie in der City of London steht mit dem Brexit so viel auf dem Spiel: die würden auch über Leichen gehen.

Großbritannien und Österreich zeigen, dass die volksfreundlichen Kräfte mittlerweile in der Lage sind, die Machtfrage zu stellen. Aber sie müssen sich – wir müssen uns! – bewusst sein, dass das Imperium sich mit aller Gewalt an seine Machtposition festkrallen wird – koste es, was es wolle. Schützen wir unsere politischen Anführer – wir brauchen sie nicht nur bis zur Wahl, sondern bis zur realen Machtübertragung. Hallo Trump, Strache, Hofer, Petry, Höcke, Gauland – bitte die Security mit Speznaz verstärken!

Quelle: Jürgen Elsässer.

Posted in: Uncategorized