Selbstzensur als Antwort auf den Terror!

Posted on Juli 26, 2016 von

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Hamed Abdel-Samad

Ein französischer Verlag hatte die Rechte für mein Buch „Der islamische Faschismus“ vor 2 Jahren gekauft. Die Veröffentlichung des Buches war für September dieses Jahres geplant. Das Buch wurde bereits bei Amazon.fr angekündigt. Zunächst änderte der Verlag den Titel von „Der islamische Faschismus“ in „Ist der Islamismus eine Art Faschismus?“, um mit dem Titel nicht zu polarisieren. Doch nach dem Anschlag von Nizza hat sich der Verleger (Piranha Edition) nun entschieden, das Buch überhaupt nicht erscheinen zu lassen. In einer Mail schreibt der Verleger warum er diese Entscheidung getroffen habe, nämlich weil die Konsequenz für den Verlag tödlich sein könnte, denn der Verlag könne für seine Sicherheit nicht sorgen. Er befürchtet nach der Veröffentlichung des Buches einen ähnlichen Anschlag wie bei Charlie Hebdo der Fall war.

Hätte der Verleger seine Mail an dieser Stelle beendet, hätte ich ein gewisses Verständnis für ihn, denn es geht tatsächlich um Leben und Tod, und ich kann nicht von jedem verlangen, das gleiche Risiko einzugehen, das ich mit meinen Büchern eingehe.

Doch dann kam sein zweites Argument, warum eine Veröffentlichung zu diesem Zeitpunkt nicht möglich sei. Denn das Buch könnte Wasser auf die Mühlen der Rechten in Frankreich gießen. Diese Rechten gab es ja in Frankreich bekanntlich vor zwei Jahren nicht als der Verlag die Rechte für das Buch gekauft hatte!! Diese Rechten haben auch Islamisten nicht daran gehindert, ihre Bücher Frankreich zu veröffentlichen oder in den Moscheen zugänglich zu machen!

So weit sind wir schon in Europa gekommen! Ein Verlag zieht sich aus der Debatte zurück und beugt sich der Einschüchterungstaktik der Islamisten. Damals schrieb dieser Verleger „Je suis Charlie“, heute schreibt er „Ich habe Angst, Charlie zu werden“. Das schlimme ist, er versucht aus der Not eine Tugend zu machen und nennt seine Entscheidung „Besonnenheit“. Ich nenne es vorauseilenden Gehorsam und Selbstaufgabe!

Und die Krokodile die du jetzt fütterst in der Hoffnung, dass sie dich nicht fressen, werden auch dich am Ende auseinandernehmen! Voltaire würde sich im Grabe umdrehen, wenn er erfahren würde, welches Verständnis von Toleranz und Meinungsfreiheit einige Kulturschaffende in seinem Land 230 Jahre nach seinem Tod haben!

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