Das Schlimmste von gestern

Posted on September 9, 2016 von

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Von Max Erdinger

Seit etwa zwei Jahren häufen sich Pressemeldungen über Vandalismus an sakraler Kunst in Kirchen, an Kruzifixen auf Friedhöfen, an Wegkreuzen und auch an Gipfelkreuzen. Oft sind die Täter unbekannt geblieben, nur gelegentlich wurden auch welche identifiziert. Es handelte sich dann zumeist um fanatische Christenhasser aus dem islamischen Kulturkreis, die im christlichen Abendland um Asyl nachgesucht hatten, wahrscheinlich, weil es bei ihnen zuhause nicht mehr so viele Christen und christliche Symbole gibt, an denen man seinen Haß auslassen könnte. Vor knapp zwei Wochen gab es die Meldung, daß das Gipfelkreuz auf dem 2100 m hohen Schafreuter im Vorkarwendel von einem Unbekannten durch Axtschläge so stark beschädigt worden sei, daß es umgelegt werden mußte. Unverständnis war zwischen den Zeilen herauszulesen, Empörung aber nicht. Für die Empörung sorgten gestern ganz Andere: Die Identitäre Bewegung Bayern. Mitglieder der Identitären hatten ein Kreuz angefertigt, schleppten es auf den Berg und montierten es in die noch vorhandene Halterung. Bei der Süddeutschen Zeitung war auch dann erst Schnappatmung angezeigt.

 

Zitat: >Erst haut ein Unbekannter mit einer Axt das Gipfelkreuz auf dem Schafreuter um – nun provozieren mutmaßliche Anhänger der Identitären Bewegung.<- Zitatende.

Man muß es tatsächlich zweimal lesen: Die Behebung eines Vandalismusschadens ist eine Provokation. Man fasst es nicht. Aber meinereiner ist lernfähig. Sollte also irgendwann einmal der Bürostuhl von Heribert Prantl, dem Ressortleiter für Innenpolitik bei der Süddeutschen Zeitung und seit Januar 2011 Mitglied der Chefredaktion, von einem Unbekannten abgesägt werden, wird meinereiner von einer Provokation reden, sollte irgend jemand es wagen, Prantl einen neuen Stuhl hinzustellen. Einen Melkschemel kann er sich meinetwegen umbinden.

Bereits am 30.08.2012 titelte die WELT: > Gipfelkreuz vor arabischen Touristen versteckt. Immer mehr arabische Touristen entdecken Bayern als Urlaubsland. Damit es noch mehr werden, wurde nun ein Werbekatalog veröffentlicht – ohne Gipfelkreuz auf der Zugspitze. Die Kirchen sind empört.<
Das ist jetzt vier Jahre her und ich kann mich erinnern, daß damals das Gerücht in Garmisch-Partenkirchen die Runde machte, der verantwortliche Klaus Schanda, Marketingleiter der Zugspitzbahn, hätte seinen Geländewagen für ein Kamel mit Moonboots eingetauscht. Eine „gottverdammte Arschkriecherei“ sei das gewesen, hieß es außerdem, – und daß man sich frage, wohin das noch führen soll, wenn für den schnöden Mammon sogar schon Heimat, Kultur und Tradition verleugnet würden. Meinereiner hielt das damals bereits für eine sehr berechtigte Frage.

Aber zurück zur Süddeutschen Zeitung von gestern. Die hat einen Touristen aus Franken ausfindig gemacht, der das sakralalpine Treiben der Identitären beobachtet hatte. Zitat: >Schon beim Aufstieg sind uns die Burschen aufgefallen, wie sie das Kreuz nach oben geschleppt haben ( … ) Das war ein ganz einfaches Ding, gute zwei Meter hoch, und aus rohem Fichten- oder Kiefernholz, wie man es eigentlich nicht sieht in den Bergen.<

Da haben wir´s: Nicht, daß ein Kreuz in den Bergen ungewöhnlich wäre, aber so ein Kreuz schon. Man sieht solche Kreuze in den Bergen eigentlich nicht. Ein provisorisches Gipfelkreuz aus Fichten- oder Kiefernholz in den Bergen scheint so etwas zu sein, wie die Ansiedlung des Kängurus neben den Steinböcken. Beides Tiere zwar, aber eines davon einfach verkehrt. Daß es sich bei dem Kreuz der Identitären nur um ein Provisorium handelt, wird erst weiter unten im Artikel erklärt. Die Schreinerinnung im Tal fertigt zur Zeit nämlich bereits ein neues Gipfelkreuz an, viel schöner als das der Identitären, und es soll auch dieses Jahr noch auf den Schafreutergipfel gebracht werden. Nicht bekannt ist, ob die Verbindungen des Marketingleiters Schanda von der Zugspitzbahn bis ins Rißtal reichen und ob er den Vorschlag gemacht hat, neben dem Gipfelkreuz in der Art eines Feuermelders gleich ein gläsernes Kästchens anzubringen, bei dem man nur noch die Scheibe einzuschlagen braucht, um die Notaxt zu entnehmen, mit der man das neue Gipfelkreuz wieder umhauen kann.

Jedenfalls fragt man sich bei der Süddeutschen, ob Gipfelkreuze überhaupt noch etwas auf bayerischen Alpengipfeln zu suchen haben. Weil man es aber selber nicht weiß, hat man, wie das heute bei den schwierigen Fragen üblich ist, einen Experten befragt. Kein Geringerer als der Südtiroler Schneemensch Reinhold Messner, von dem böse Zungen behaupten, der Sauerstoffmangel auf dem Mount Everest hätte ihm böse zugesetzt, erklärt in der Süddeutschen rigoros: „Kreuze haben am Gipfel nichts verloren.“ Der Yeti hat gesprochen. Jetzt wissen wir´s. Die Identitären haben ein verlorenes Kreuz auf einen Gipfel gebracht, wo es nichts verloren hat. Wo kommen wir hin?

Zitat: > „Das war richtig gruselig“, sagte der Zeuge, „das geht doch nicht, dass Rechte ein Kreuz auf einem Gipfel aufrichten und es dann dort steht“.<- Zitatende.

Wir lernen: Dem fränkischen Touristen gruselt es in Oberbayern recht schnell. Nicht, daß es nur gruselig gewesen wäre, nein, es war „richtig gruselig“. Wir wissen nicht, ob sich der Franke in seinem Horror vor lauter Angst in die fränkische Kniebundhose geschissen hat oder nicht. Das wäre eine interessante Information gewesen. Meinereiner sollte vielleicht einmal in München beim Prantl Heribert vorstellig werden und ihm anbieten, interessante Geschichten für sein Scheißblatt zu schreiben, damit es mit der Auflage wieder hinhaut. Könnte er eigentlich nicht ablehnen, oder? Aber was war so gruselig? Die Identitären! Der bucklige Quasimodo hätte ein Kreuz auf den Gipfel schleppen – und dabei die Melodie von „Heidi“ trällern können: Gruselig wäre das nicht gewesen. Jedenfalls vermute ich seit heute, daß der Pfiff des alpinen Murmeltiers ein Warnpfiff ist, der immer dann ertönt, wenn ein gruseliger Identitärer durchs Gebirge kraxelt. Und daß es der Prantl selbst gewesen ist, der die armen Viecher dahingehend dressiert hat.

Zitat: >Für den DAV-Sprecher Thomas Bucher ist das aktuelle Kreuz auf keinen Fall ein Ersatz ist für das alte. „Zwar ist es in der Fassung befestigt“, sagt er. „Aber es ist instabil und hält Wind und Wetter nicht stand.“ Das Gleiche gelte für das Holz, aus dem das Kreuz gefertigt ist. <

Beseelt vom Geiste des TÜV spricht hier der Sicherheitsbewußte. Und differenzieren tut er. Sowohl das Kreuz, als auch das Holz, aus dem das Kreuz gefertigt ist – zwei fundamental unterschiedliche Dinge also – sind instabil und halten Wind und Wetter nicht stand. Deswegen haben Bergwanderer oft ein Helmchen auf: Damit sie nicht von instabilen Gipfelkreuzen der Identitären erschlagen werden, die in den Alpen nur so auf ihre Köpfe herunterprasseln. Es gibt Leute, die sich mit Sicherheitsgipfeln auskennen, gar keine Frage. Was gäbe ich dafür, wäre der heilige Geist in meinem Heimatland noch so stabil, daß er Winden, Wettern und den Fürzen der Süddeutschen genau so gut standhält wie ein TÜV-geprüftes Gipfelkreuz, das von Richard Dawkins auf den Schafreuter geschleppt worden ist.

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