Der Einzelfall (Gedicht)

Posted on Oktober 22, 2016 von

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Seit Wochen liest man überall,
vom sogenannten „Einzelfall“.
Im Focus, BILD, Stern und dem Spiegel,
beschreibt man dieses Gütesiegel.

Es taucht meist auf in deutschen Landen,
wenn man was hört über Migranten.
Zum Beispiel wenn die Medien schreiben,
wie diese sich die Zeit vertreiben.

Bei Raub, Zerstörung oder Mord,
findt man sehr schnell dies Zauberwort.
So wie des Echos Widerhall,
hört man sie rufen: „Einzelfall“!

Wie viele Frauen müssen leiden,
wie viele aus dem Leben scheiden,
weil falsch verstandne Nächstenliebe,
erwidert wird mit Hass und Hiebe.

Wie lange werden Mütter weinen,
weil Viele nicht zu sehen scheinen,
welch´ Kräfte derzeit sind am Ball,
die steuern jeden „Einzelfall“.

Das Land der Dichter und der Denker,
sieht schon ganz deutlich seinen Henker.
Mir scheint, es dauert nicht mehr lang.
Es schreitet seinen letzten Gang,

Kaum noch ein Tag im Jahr vergeht,
wo es nicht in der Zeitung steht.
Das Wort, was reizt Magen und Gall`.
Auf Seite 1 steht „Einzelfall“.

Sie kommen, um hier Schutz zu suchen,
beinah` nur Männer und Eunuchen.
Uns wurde stets anders berichtet,
und Frau`n und Kinder abgelichtet.

Als Häuser brannten, wo Migranten,
für eine Weile Zuflucht fanden,
begann sofort ein Redeschwall:
Gefahr von Rechts – kein „Einzelfall“.

Wenn einst die Welt in Asche liegt,
weil sich der Mensch nur noch bekriegt,
und Gott im Himmel hört den Knall,
wird er wohl raunen: „Einzelfall“.

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