Tritt Italen aus den Euro aus?

Posted on November 4, 2016 von

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Italiens Wirtschaft strauchelt, die Zahlen sind erschreckend. Die Jungen fühlen sich ihrer Zukunft beraubt. Die Anzeichen mehren sich, dass der Eurozone ein großer Knall bevorsteht.

Schon am 4. Dezember könnten sich die Dinge dramatisch verschlechtern. An jenem Tag steht in Italien eine Volksabstimmung an.

Erstmals in der Historie halten internationale Geldmanager ein Ausscheiden des EG-Gründungsmitglieds aus der Gemeinschaft für wahrscheinlicher als den Grexit. Das offenbaren die neuesten Daten des Analysehauses Sentix, das jeden Monat den Zusammenhalt der Währungsunion misst.

Zuletzt hat sich die Kapitalflucht aus Italien markant beschleunigt. Laut Banca d’Italia betrugen die Verbindlichkeiten des südeuropäischen Landes gegenüber dem restlichen Euro-System rekordhohe 354 Milliarden Euro. Selbst in der akuten Euro-Krise von 2012 erlebte die Nation keinen derartigen Abfluss liquider Mittel.

Beobachter zeigen sich vor allem besorgt über die neueste Entwicklung. Seit dem Brexit-Votum der Briten haben sich Italiens Target-Verbindlichkeiten um enorme 78 Milliarden Euro ausgeweitet. Der wachsende Negativsaldo ist aber ein klares Indiz dafür, dass die üppigen EZB-Mittel direkt wieder ins Ausland fließen, statt der heimischen Wirtschaft zugutezukommen.
Spitzenökonom und früherer Ifo-Chef Hans-Werner Sinn betrachtet die Target-Salden als einen Gradmesser für die Gesundheit der Währungsunion. Im Gespräch mit der „Welt“ warnte Sinn jüngst: „Die Hälfte der Italiener will aus dem Euro austreten, das ist der höchste Wert aller europäischen Länder, in denen diese Frage in letzter Zeit gestellt wurde.“
Egal, ob man sich die Eliten oder die Wähler anschaut, die Skepsis gegenüber dem Euro wird immer größer. Sinn zufolge ist nicht zuletzt das italienische Establishment zunehmend skeptisch, was den Euro angeht. „Berlusconi hatte schon im Jahr 2011 Geheimverhandlungen für einen Euro-Austritt Italiens gestartet, weil er und andere Vertreter der Wirtschaft eigentlich keine Alternative mehr sehen„, sagte der prominente Ökonom.

Die Jugendarbeitslosigkeit ist so hoch wie fast nirgendwo auf der Welt. Fast 40 Prozent der jungen Menschen haben keinen Job. Auch gegenüber den Älteren fühlen sich die Jungen abgehängt. Die Gefahr, keinen Job zu haben, ist bei den Mitte Zwanzigjährigen fast viermal so hoch wie bei Erwerbspersonen insgesamt. Ein in der Euro-Zone einmaliger Negativwert.

Ein Wegfall der drittgrößten Ökonomie wäre für die Währungsunion schwer zu verkraften. „Italien ist jetzt wie kein zweites Land im Fokus der Euro-Krise“, sagt Manfred Hübner, Geschäftsführer beim Analysehaus Sentix.

Das Referendum vom 4. Dezember wird zur Feuerprobe. Ähnlich wie David Cameron die Abstimmung über die EU-Mitgliedschaft als innenpolitischen taktischen Schachzug ausgeknobelt hatte, damit aber letztlich die EU in eine Krise stürzte, könnte Renzis Referendum der Euro-Zone einen Schlag versetzen.

 

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