Staatsanwalt verfolgt arme Flaschensammlerin

Posted on Dezember 7, 2016 von

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So läuft das in Deutschland, während die sexuellen Belästiger und Vergewaltiger an Silvester in den meisten Fällen nur zur Bewährung bestraft oder nach einem „DU, DU – macht das nicht noch einmal“ wieder auf freien Fuß gelassen wurden, verfolgt die Staatsanwaltschaft rigoros eine Flaschensammlerin, die es wagte, eine im Müll geworfene Opernkarte an sich zu nehmen und diese bei Ebay für 20 Euro zu verkaufen. Der Shitstorm ließ nicht lange auf sich warten, die Bürger zeigen sich entsetzt über die Vorgehensweise gegenüber den Armen der Gesellschaft.

Im Internet ist ein Shitstorm gegen die Staatsanwaltschaft entbrannt. Sie hatte die bedürftige Rheinländerin nicht nur wegen Unterschlagung angeklagt – sondern auch Berufung gegen den ergangenen Freispruch eingelegt.

Nach dem EXPRESS-Artikel kocht die Volksseele. Petra L. (Name geändert) durchwühlt täglich in der City Papierkörbe, um ihre Frührente aufzubessern. Nachdem sie eine dabei entdeckte „Anatevka“-Karte für 20 Euro verkauft hatte, brachte ihr Ebay-Kunde die Staatsgewalt ins Spiel.

Doch die gnädige Richterin war wie die 41-Jährige der Meinung: Wie kann es Unterschlagung sein, wenn jemand etwas aus dem Müll zieht und verkauft? Sie sprach Petra L. frei.
Doch damit ist der Fall für die Königswintererin nicht ausgestanden: Der zuständige Staatsanwalt (am Prozess selbst hatte ein Referendar teilgenommen) hat Berufung gegen den Freispruch eingelegt.

Zahllose Leser machen sich auf unserer Facebook-Seite Luft: „Wo leben wir eigentlich??? Die arme Frau soll noch bestraft werden, weil sie arm ist. Toll, lieber Staatsanwalt“, echauffiert sich ein User.

Marc L. fragt sich: „Angeblich sind Staatsanwaltschaft und Gerichte überlastet und (…) da wird bei einem solchen Bagatellfall Berufung eingelegt?“
„Da fällt einem doch nichts mehr zu ein! Das ist ja an sich schon eine Posse aber die Berufung ist schon lächerlich“, meint Jessica S.
Und Vincent R. fordert: „Man sollte die Staatsanwaltschaft wegen groben Unfugs anzeigen!“

Dr. Sebastian Buß, Sprecher der Behörde, versucht zu erklären: „Der staatsanwaltschaftliche Sitzungsvertreter war auch nach Durchführung der Beweisaufnahme offenbar weiterhin zu dem Ergebnis gelangt, dass eine Verurteilung wegen Unterschlagung gerechtfertigt gewesen wäre.“

Doch die Behörde hält sich ein Hintertürchen offen. Buß: „Ob die Berufung dann aber letztlich tatsächlich durchgeführt wird, wird geprüft, sobald hier die schriftlichen Urteilsgründe des Amtsgerichts vorliegen.“

Sollte sich dadurch an der bisherigen Einschätzung der Staatsanwaltschaft etwas ändern, könne die Berufung „jederzeit auch wieder zurückgenommen werden“, so Buß.
Damit würden dem Steuerzahler ein Haufen Kosten erspart bleiben.

EXPRESS hat dazu ein Rechenexperiment gewagt: Sollte es zum Berufungsprozess kommen, entscheiden ein Berufsrichter und zwei Schöffen über Freispruch oder Verurteilung. Außerdem nehmen ein Vertreter der Staatsanwaltschaft und ein Protokollführer teil.

Rechnet man die Brutto-Besoldung von Richter und Staatsanwalt sowie das Gehalt des Justizfachangestellten und die Entschädigungen für die Laienrichter zusammen, kostet eine Prozessstunde um die 125 Euro. Alles wegen einer 20-Euro-Karte…

Die Boshaftigkeit des Ebay-Kunden und des zuständigen Staatsanwaltes basiert wohl auf der Grundlage, dass die arme Flaschensammlerin die Opernkarte dem Ebay-Kunden nicht schenkte und ihr Bargeld (Un)Vermögen dazu gab und nicht noch einige Karten für die Staatsanwaltschaft kaufte.
Wie sonst ist diese neidvolle Verfolgung sonst zu beurteilen?

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