Wer erinnert sich an den Mord

Posted on Dezember 10, 2016 von

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Von Joana

an dem 20-jährigen Asylbewerber Khaled Idris Bahray Anfang 2015 in Dresden?
Er ging als „erster Pegida“-Toter durch ALLE Medien. Die Empörung war groß. Es gab Mahnwachen, es gab Demos – über 10.000 Menschen gingen aus Solidarität mit dem Ermordeten und gegen Rassismus in verschiedenen Städten auf die Straße, auch Politiker liefen mit.
Es gab sogar Randale von Linksradikalen. Sie warfen Schaufenster ein, rissen Verkehrszeichen heraus, fackelten Feuerwerkskörper und Nebelbomben ab, bewarfen Polizeiautos und Beamte mit Steinen. Zuletzt wurden etwa 40 Fenster im ersten Stock des Amtsgerichts eingeschmissen. An Fassaden wie der des Bundesverwaltungsgerichts wurden Sprüche wie „RIP Khaled“, „Das war Mord“ und „Stoppt Pegida, Antifa“ gesprüht.

http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2015-01/dresden-mannheim-demonstration-khaled-toleranz-vielfalt-no-pegida

http://www.sz-online.de/sachsen/krawall-statt-stillem-gedenken-3017313.html

und Volker Beck zeigte die Polizei an – „wegen möglicher Strafvereitelung im Amt“.
http://www.n-tv.de/politik/Volker-Beck-zeigt-Dresdner-Polizei-an-article14329481.html

Für Medien, Gesellschaft und Politik stand der Täter fest und nicht nur das: eine ganze Bevölkerungsgruppe stand plötzlich wie selbstverständlich unter Generalverdacht und fast alle fanden das in Ordnung.
Als dann bekannt wurde, dass es kein böser Rechter war, der Khaled erstochen hat, sondern ein Landsmann aus Eritrea, erlosch das Interesse an ihm schlagartig. Zur Beerdigung kamen nicht mal 250 Menschen. Plötzlich war er, war sein Schicksal uninteressant, es war der „falsche“ Täter.

http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/getoeteter-fluechtling-ein-falscher-verdacht-mit-folgen-13395262.html

Szenenwechsel
Freiburg, zwei Frauen werden ermordert. Im Falle des Mordes an der Medizinstudentin Maria L. wird ein 17-jähriger Flüchtling aus Afghanistan festgenommen, DNA-Spuren haben ihn überführt. Im Gegensatz zum Mord an Khaled geht dieser Fall nicht durch alle Medien. Die „Tagesschau“ betrachtet ihn als „regionalen Fall“, nicht von Interesse für die Nachrichten. Die „Zeit“ widmet der Festnahme an dem Tag nicht eine Zeile. In anderen Zeitungen muss man die Meldung erstmal suchen. Im Gegensatz zu Khaled oder Tugce Albayrak gibt es keine großen Schlagzeilen, keine Empörung. Im Gegenteil, sofort sind Politiker zur Stelle und warnen davor, Flüchtlinge unter Generalverdacht zu stellen, man müssen den Fall als „Einzelfall“ betrachten, keine Verallgemeinerungen!
http://www.badische-zeitung.de/freiburg/freiburgs-ob-salomon-warnt-vor-pauschalurteilen–130620465.html

Auch Ralf Stegner schaltet sich ein. Wir erinnern uns: Es ist der Ralf Stegner, der nach dem schrecklichen Attentat auf die Kölner Oberbürgermeisterin twitterte: „Pegida hat in Köln mitgestochen“. Genau dieser Stegner twittert jetzt „Abscheuliche Gewalttat in Freiburg führt zu Generalverdacht gegen andere Flüchtlinge. Das ist eines Rechtsstaates unwürdig.“

https://web.de/magazine/panorama/mord-studentin-freiburg-spd-vize-ralf-stegner-attackiert-polizeigewerkschafter-32045400

Demonstrationen und Mahnwachen gibt es natürlich nicht.
Doch halt, die AfD in Freiburg hat es gewagt, eine Mahnwache und Kundgebung in Gedenken an die ermordete Studentin abzuhalten. Aber was für Khaled so selbstverständlich war, schickt sich für Maria nicht – im Gegenteil, für viele ist die AfD-Veranstaltung eine Provokation. Und so stehen den 20-30 AfDlern plötzlich 300 Gegendemonstranten von der Antifa, den Grünen, der SPD und ja, auch der FDP, gegenüber. Es kommt sogar zu Auseinandersetzungen zwischen der Antifa und der Polizei.

http://www.badische-zeitung.de/freiburg/300-menschen-demonstrieren-in-freiburg-gegen-afd-kundgebung-mit-20-teilnehmern–130643198.html

Und um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, postet FDPler Sascha Fiek auf Facebook:
„Jetzt auf der Gegendemonstration gegen die widerliche AFD Freiburg. Es ist gut zu sehen, dass dem kleinen AFD Haufen eine weit größere Masse gegenübersteht. Wir dürfen der Intoleranz der braunen Ratten nicht länger mit falscher Toleranz begegnen. Es wird Zeit, unseren Rechtsstaat und unsere Demokratie zu verteidigen.“

Kein Wort zu der Tat, kein Wort zum Opfer, stattdessen bezeichnet er Mitglieder einer demokratischen Partei als „braune Ratten.“ Vielleicht hat der Liberale (sic!) vergessen, dass es ausgerechnet die Nazis waren, die Menschen gern als Ratten bezeichneten. Im Nazi-Film „Der ewige Jude“ wird die bildlich dargestellte Wanderung der Juden aus Osteuropa mit der Wanderung von Ratten verglichen, jüdische Menschen damit zu vernichtendem Ungeziefer gleichgestellt. Kommt Ihnen das bekannt vor, Herr Fiek? Sie bewegen sich auf dem gleichen, faschistischem Niveau und merken es noch nicht einmal.
Ich frage mich, wieso diese Doppelmoral, dieses Messen mit zweierlei Mass, so wenig Menschen in Deutschland auffällt, sie so wenig kümmert.
Ich frage mich, was sich Politiker wie Stegner bei ihren widersprüchlichen Aussagen denken.
Ich frage mich, wieso sich die Medien einer Selbstzensur unterwerfen und wieso einfache Fakten und wirkliche Gefahren ignoriert, relativiert und runtergespielt werden.
Der Kompass in Deutschland hat sich verschoben, in eine ungesunde, in eine bigotte Richtung und den Wenigsten scheint das Sorge zu bereiten. Mir schon. Zeit für Veränderung!

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