Manchmal wäre es gut, wenn auf Frisuren ein Copyright gälte. Dann könnte man im Zweifel die Person, die die Rechte an einer bestimmten Frisur hält, fragen, ob das Tragen in diesem oder jenem Kontext in Ordnung ist oder nicht – damit wäre die Sache gegessen. Frisuren lassen sich aber nicht schützen, schon gar nicht, wenn sie einer ethnischen Gruppe zugeordnet werden. So kommt es zum Zoff.

Als der Modedesigner Marc Jacobs im September bei der Fashion Week in New York seine Models mit bunt gefärbten Dreadlocks über den Laufsteg schickte, protestierte die afroamerikanische Community. Nachvollziehbar, denn die Models bei der Schau waren fast alle weiß.

Solche Diskussionen, die sich um Rassismus, strukturelle Benachteiligung und kulturelle Aneignung drehen, waren lange eine Sache der USA. Neu ist, dass sie auch in Deutschland geführt werden. Wie im Dezember in Berlin. Da lud das Lifestyle-Magazin Indie in Kooperation mit der Berliner Aktivistinnengruppe White Guilt Clean Up (in etwa: antirassistischer Service für von Schuldgefühlen geplagte Weiße) zu einer Panel-Diskussion nach Kreuzberg. Es sollte um afrikanische Haartradition in Deutschland gehen.

 
Vorausgegangen war dem Abend eine Haarflechtparty, die vom Indie-Magazin erst angekündigt und nach Protesten wieder abgesagt worden war. Bei ihr sollte eine weiße Haarstylistin Indie-Lesern Cornrows, Bantu Knots und Dutch Braids flechten – jene afrikanischen Frisuren, bei denen die Haare in Zöpfen auf verschiedene Weisen kunstvoll arrangiert, verknotet oder zu kompakten Röllchen gedreht werden.
Die Diskussion, auf Englisch geführt, war quasi die Nachbereitung zum geplatzten Event. Es blieb nicht bei der Feststellung, dass dieses nur dann in Ordnung gewesen wäre, wenn die gebuchte Haarstylistin schwarz gewesen wäre. Nein, der Konsens zwischen den in Berlin lebenden, teils afroamerikanischen Aktivistinnen auf dem Podium lautete: Es ist grundsätzlich rassistisch, wenn Weiße afrikanische Frisuren tragen.

Die Forderung: Weiße müssen damit aufhören.