Der Ruf Freitals ist ruiniert, seit dort im Sommer 2015 fremdenfeindliche Proteste vor einer Flüchtlingsunterkunft wochenlang für Schlagzeilen und Sprengstoffanschläge gegen Flüchtlinge und ihre Unterstützer für Angst und Entsetzen sorgten.

Acht dafür mutmaßlich Verantwortliche stehen seit vergangener Woche im nahen Dresden vor Gericht, angeklagt wegen der Bildung einer rechtsterroristischen Vereinigung, versuchten Mordes, gefährlicher Körperverletzung und weiterer Delikte. Der Generalbundesanwalt gab der Gruppe einen Namen: Freital. Das „braunste Tal Deutschlands“, schrieb der „Stern“.

„Da ist man geschockt, wenn man so etwas liest“, sagt der Freitaler Oberbürgermeister Uwe Rumberg.

>>Dass Freital ein generelles Problem mit Rechtsextremismus hat, könne er aber nicht erkennen. Überhaupt sei alles gut gewesen, bis die Flüchtlinge kamen. „Bis die Asylproblematik über uns hereinkam, hatten wir keine nennenswerten Szenen. Da ist nichts mit Rechts- oder Linksextremen gewesen.“

Die Flüchtlingshelferin Steffi Brachtel

Für die Proteste, die sich gegen die Erstaufnahmeeinrichtung im früheren Hotel „Leonardo“ richteten und bei denen die nun Angeklagten kräftig mitmischten, zeigt das Stadtoberhaupt Verständnis. Man müsse „immer wieder diese zentrale Einrichtung sehen und welche Auswirkung die auf das unmittelbare Umfeld hatte. Die Leute waren einfach betroffen, konnten teilweise nachts nicht mehr schlafen, hatten natürlich auch eine gewisse Angst. Das sind aber keine Extremisten gewesen.“<<

Steffi Brachtel von der Organisation für Weltoffenheit und Toleranz sieht das freilich anders. „Es müsste eigentlich eine ganze Stadt vor Gericht stehen. Auch wenn ich weiß, dass nicht alle Einwohner rechts sind oder Nazis sind oder Terroristen sind. Aber sie haben es zugelassen.“
„Das Problem ist die schweigende Mehrheit, die das mitträgt und das Ganze legitimiert und relativiert“, sagt Brachtel.

„Wir hatten 2016 ganz, ganz viele Propagandadelikte, auch teilweise organisiert durchgeführt, wo an drei Orten gleichzeitig „NS jetzt“-Parolen, „Asylwahn stoppen“ und ähnliche Parolen ans Rathaus und die Bahnhöfe gesprüht wurden.“, sagt Andrea Hübler von der Opferberatung RAA.

„Das ist doch alles nur aufgebauscht“, meint ein älterer Herr auf dem Parkplatz eines Baumarktes, bevor er sich kopfschüttelnd abwendet.

Wie war das doch gleich mit Generalverdacht und so?