PAPA, KANNST DU MAL HELFEN?

Posted on März 17, 2017 von

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Von Robin Renitent

„Papa, bitte hilf mir“ sagt meine Tochter zu mir „ich verstehe kein Wort. Du hast doch Dein Leben lang mit Büchern zu tun gehabt, ich finde das ist viel zu schwer und in meiner Klasse versteht das überhaupt niemand. Die Lehrerin sagt wir sollen eine Zusammenfassung schreiben. Wie soll ich die schreiben, wenn ich nichts verstehe.“

Sie gibt mir ein rotes Buch mit dem Titel „Angewandte Ethik: Eine Einführung von Annemarie Pieper und Urs Thurnherr“.

Tochter: „Lies mal bitte diesen Absatz und sag mir was die überhaupt meinen.“

Also lese ich:

>>„Ökologie-Ethiken nehmen ihren reflexiven Ausgang bei der Zerstörung der Natur, welche sich in Extremform in detr Gleichgewichtsstörung des Ökosystems zeigt. Bei der Beobachtung solcher Störungen besteht in der Regel kein Zweifel daran, welch« Phänomene zur Natur zu zahlen sind: Der Unterschied zwischen natürlicher und technischer Welt ist so ausgeprägt, daß die Alltagsintuition ein ausreichend zuverlässiges Instrument bietet zu beurteilen, was Natur und was nicht Natur ist.

Dieser Evidenz auf der phänomenalen Ebene entspricht nun aber keine solche auf der kategorial-normativen Ebene. Daher darf die Einsichtigkeit in das, was wir gemeinhin „Natur“ nennen nicht zu dem Schluß verleiten, daß es Natur in einer unvermittelten Weise gäb welche auch losgelöst von jeder menschlichen Rezeptionsleistung Achtung beanspruchen könne. Wenn die klassischen Ethiken dennoch an einem starken Naturbegriff festhalten, so leugnen sie damit, daß Natur immer Natur für uns ist und daher auch Natur einem kulturellen Deutungsmuster unterliegt. Denn: von Natur läßt sich immer nur in der Kultur reden, Natur ist immer schon kulturalisiert, Natur pur gibt es nicht. Das hat Folgen. Natur zum ausnahmslosen Gegenstand menschlicher Hege- und Pflegeverantwortung zu machen ruft entweder nach einem starken Naturbegriff oder integriert auch die Natur in ein ergebnisoffenes Ethikkonzept. Gegen die erste Alternative sprechen sowohl der vormoderne Begründungsgestus eines starken Naturbegriffs wie auch die an ihn geknüpfte Normativität, welche sich einerintersubjektiven Vermittlung entzieht und heteronom ge setzt ist. Bleibt also die zweite Alternative und die Integration der Natur in eine konsensorientierte Ethik. Gerade von einer solchen modernen Ethik ist jedoch nicht zu erwarten, daß sie die Verantwortung für die Natur in der Weise der klassischen Ethiken totalisiere. Aber wäre das überhaupt wünschenswert? Was vermochte eigentlich ein Verantwortungskonzept, das einen ontologisch hergeleiteten normativen Anspruch der Natur anerkennen würde, konkret zu leisten? Wie würde sich das in der Praxis auswirken? Solche ergebnisorientierten Fragen, die in der theoretischen Philosophie als weitgehend deplaziert gelten, dürfen in der praktischen Philosophie nicht unterdrückt werden, erst recht nicht dann, wenn es sich um angewandte Ethik handelt. Ihre Wirkung und Realisierbarkeit erst vermag angewandter Ethik den nötigen Sinn zu geben . Geht man von diesem Anspruch aus, so erscheint eine Verantwortungsethik, die sich auf Ontologie gründet, zum Scheitern verurteilt. Nimmt man beispielsweise die Vierstelligkeit des Verantwortungsbegriffs von lngarden zum Ausgangspunkt, so erkennt man die zentrale Stellung des autonomen Subjekts. Alle vier Richtungen, in denen sich Verantwortung ausdehnt, berühren die Instanz des autonomen Subjekts, und Verantwortung konstituiert sich durch, mit und gegenüber Subjekten. Dies ist das unhintergehbare moderne Konzept von Verantwortung. Anders kann Verantwortung gar nicht mehr gedacht werden, anders wäre sie nicht Verantwortung, sondern bloß Verpflichtung. In dem vorliegenden Streit geht es daher nicht allein um die Erweiterung menschlicher Handlungsaufgaben, sondern auch um die alles weitere entscheidende Frage „Warum moralisch sein?“.“<<
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Ich machte weit den Mund auf, dann klappte ich ihn wieder zu. „Nun was ist“, fragte Tochter ungeduldig. Ich: „Also ehrlich, ich verstehe kein Wort, Moment mal ich muß das noch mal lesen.“

Ich las erneut, dann schlug ich mit der Hand auf den Tisch

„wie kann man nur so ein ideologiebasiertes Pseudowissenschaftkauderwelsch schreiben, sind die bekloppt? Warum gibt Euch Eure Lehrerin so einen Quark? Ich will Dir was sagen, das ist so eine typische, verkorkste Schreibe, angereichert mit Worten die das Ganze aufblähen und gebildet klingen sollen, also absichtlich so formuliert, das das kein Mensch versteht.

Das bekommen dann Politiker zur Entscheidungsfindung, die verstehen aber auch kein Wort, wie sollen sie auch, die sind entweder Rechtsverdreher oder anders grenzdebil und weil sie diesen Sprachmüll nicht verstehen sind die Gesetze so bekloppt wie sie sind und außerdem haben sich diese Verbalonanisten ihre zwangssteuerfinanzierte Pfründe an den Universitäten für die nächsten Jahre abgesichert.

Man sollte diesen Typen die Schwarte an den Kopf werfen oder sie verpflichten das noch einmal in verständlichem Deutsch zu schreiben. Ich bin sicher, selbst der Großmeister der deutschen Sprache Johann Wolfgang von Goethe würde das nicht verstehen. Und Faust auch nicht. Warum also ich?“

Tochter schaute ihren Vater an „o.k., nun hast Du Luft abgelassen, ich finde das auch blöde, aber nun hilf mir mal mit der verlangten Kurzform in einem Satz.“

Ich warf die Schwarte auf den Tisch und sprach, „ich würde das so schreiben:

„Es geht um die Freiheit mit der Natur existenzbezogen bzw. überlebensbedingt umzugehen vs. die Ethik der Verantwortung, also ein politisch gewolltes Verhalten, das den sorgsamen Umgang mit unseren Naturressourcen anmahnt. Und wir nehmen mehr von der Natur als gebraucht wird, das zu verhindern ist ein Teil der modernen Verantwortungsethik.

Kürzer kann ich das nicht, natürlich habe ich einen gewisse Kritik gleich mit einfließen lassen. Bin mal gespannt ob die Lehrerin das merkt.“

Töchterchen lachte. Dann schrieb sie es sauber auf, bearbeitete noch zwei weitere, etwas einfacher formulierte Absätze des Buches und trug es am nächsten Tag (gestern) in der Klasse vor.

„Na, wie war es?“ fragte ich sie heute gespannt „Ich glaube sehr gut, die Lehrerin hat mir zugelächelt, ich verstehe das so, daß sie zufrieden war.“

Meine Herren….

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