Daphne Fernández war zum Tatzeitpunkt 17 Jahre alt und wollte mit ihren Freunden im mexikanischen Boca del Rio ins neue Jahr reinfeiern. Doch der Abend endete für die Schülerin in einem Alptraum: Sie wurde von vier älteren Mitschülern in ein Auto gezerrt und vergewaltigt. Unter den Tätern Diego Cruz, der wie seine Mittäter auch aus wohlhabenden, mexikanischen Familien stammt.

Nachdem sich die Schülerin ihrer Schwester anvertraut hatte, erstattete sie im April 2016 Anzeige. Cruz floh nach Spanien, wurde aber wenig später wieder an Mexiko ausgeliefert. Am Montag wurde der Täter schließlich von Richter Annuar Gonzáles freigesprochen.

Die Begründung: Die Vergewaltigung habe dem Angreifer keinen Spaß gemacht. Der Angeklagte habe ohne „sexuellen Vorsatz“ gehandelt, als er sein Opfer an den Brüsten berührte und mit seinen Fingern penetrierte. Zwar hätten die Angreifer der Schülerin ihr Handy abgenommen, sie sei jedoch zu keinem Zeitpunkt „hilflos“ gewesen.

Das richterliche Urteil hat für einen weltweiten Aufschrei der Empörung gesorgt. Laut „Los Angeles Times“ fragt etwa die mexikanische Frauenrechtlerin Estefanía Vela Barba: „Er hat sie sexuell berührt, aber weil er keinen Spaß hatte, ist es kein sexueller Missbrauch?“

Im Gegenteil: „Auch wenn kein Vergnügen dabei war, war es doch ein bewusster Akt der Demütigung.“ Das Urteil gelte schon jetzt als Symbol für das Versagen der Justiz bei sexuellen Missbrauchsfällen ebenso wie für die Straffreiheit der mexikanischen Elite. Es ist ein Schlag ins Gesicht für alle Frauen, die Opfer von sexueller Gewalt geworden sind.

Für den Vater der heute 19-Jährigen stellt das Urteil keine große Überraschung dar. Dem Magazin „New Yorker“ sagt er: „Das Letzte, was das mexikanische Justizsystem bereitstellt, ist Gerechtigkeit. Ich wusste, dass sie uns enttäuschen werden.“

Kommt solche Justiz jemanden bekannt vor?