Statt Regalen voller Fotos, Pokale und Bücher zieren die Wände von Familie Kostov lediglich Wasserflecken. Statt in einer gemütlichen Wohnung, in der sich die 14-köpfige Familie an Wochenenden trifft, leben alle gemeinsam auf spärlich eingerichteten 60 Quadratmetern.

Die Miete für das heruntergekommene Heim in Block 11 des Delmenhorster Wolleparks liegt bei satten 750 Euro. Kassiert wird in bar. Einmal im Monat klingelt abends jemand an der Tür und sammelt die Scheine ein.

Und jetzt haben die Stadtwerke SWD in dem Gebäude und im benachbarten Block 12 am Dienstag auch noch die Wasserzufuhr abgedreht. In zwei Wochen ist der Gashahn dran.

Stadtverwaltung und SWD begründen den drastischen Schritt damit, dass die Eigentümergesellschaft inzwischen insgesamt mehr als eine Viertelmillion Euro Schulden angehäuft hat und keine Anstalten macht, diese zu bezahlen. Ausgetragen wird der Konflikt auf dem Rücken der rund 350 Mieter, vornehmlich Osteuropäer wie die Kostovs. Bei der Stadt beläuft sich der Fehlbetrag demnach auf 80.000 Euro. Beim SWD haben sogar Schulden in Höhe von 185.000 Euro angesammelt.

Wer sich die Zähne putzen, duschen oder die Toiletten-Spülung nutzen will, muss rund 400 Meter zu einem umgebauten Hydranten laufen und sich Wasser aus einem der Hähne zapfen.

Als wäre die nicht genug, ist auch der Fahrstuhl im Gebäude kaputt. Das lässt besonders die älteren Bewohner verzweifeln. Einer Frau, die ihren Namen nicht nennen möchte, stehen bei dem Gedanken an die kommenden Tage die Tränen in den Augen. Sie wisse nicht, wie sie das Wasser in ihre Wohnung tragen solle.

Die Diakonie informiert die Bewohner am Dienstag an einem kleinen Stand über ihre Rechte und Möglichkeiten – von der Mietminderung bis zur Suche nach einer neuen Wohnung. Die Stadt verspricht, mit Zapfstellen und Toilettenwagen die Grundversorgung der Bewohner zu sichern, sieht die Verantwortung für die aktuelle Situation aber klar bei der säumigen Eigentümer.

Der Stadt könnte die aktuelle Situation sogar zugutekommen: Der Wollepark hat sich über die Jahre zum sozialen Brennpunkt entwickelt.