Frankreichs Botschafter hat im türkischen Parlament die Beine übereinandergeschlagen. Er wurde zurechtgewiesen, weil das unislamisch sei.

Der Anlass war sonderbar genug: Das Parlament der Türkei, das auf Wunsch des Staatschefs gerade per Volksentscheid entmachtet worden war, trat zu einer Sondersitzung zusammen, um seiner ersten Sitzung vor 97 Jahren zu gedenken. Als Charles Fries, Frankreichs Botschafter in Ankara, auf der Gästetribüne des Parlaments eine Saaldienerin auf sich zutreten sah, traute er seinen Augen und Ohren nicht. Der Botschafter solle doch bitte nicht seine Beine übereinanderschlagen, bedeutete ihm die Dame. Unislamisch sei das.

Doch wie sitzt man islam konform?
Vielleicht so?

Die typische Sitzposition von Recep Tayyip Erdogan – mit gespreizten Beinen, das Gemächt präsentierend, die Arme auf den Sitzlehnen ruhend – wirkt wiederum im Westen vulgär und machohaft. Tatsächlich aber geht es um die Macht. „Je mehr Platz ein Mensch einnimmt, um so höher ist der Status, den er sich zumisst oder den er signalisieren möchte“, erklärt die Wiener Managementberaterin Barbara Eichberger, eine Trainerin für Körpersprache und nonverbale Kommunikation. Es gilt: Je breiter und stabiler eine Sitzhaltung, desto höher der Rang.

Es zeigt sich wieder einmal:
Islam ist nicht gleich Islam…
Er ist mal so und mal so, aber immer so!

Oder wie Erdogan zu sagen pflegt: „Der Islam ist der Islam, und damit hat es sich!“ (Erdogan 2007)