Wenn Politiker von „Führungsschwäche“ sprechen, dann meinen sie meist den politischen Gegner, innerparteiliche Konkurrenten, generell aber nie sich selbst. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen macht da keine Ausnahme.

So erklärte sie: „Die Bundeswehr habe „ein Haltungsproblem. Und sie hat offensichtlich eine Führungsschwäche auf verschiedenen Ebenen.“ Es gebe zudem einen „falsch verstandenen Korpsgeist“, es würden Vorfälle schöngeredet, es werde weggeschaut.“

Sie wirft der Beundeswehr also das vor, was sie und andere Politiker sowie ihre Staatsmedien bereits seit Jahren machen.

Für so manchen in der Bundeswehr sind die Aussagen der Ministerin dennoch ziemlich harter Tobak. Bei André Wüstner, Chef des Bundeswehrverbandes, steht das Telefon nicht still. Noch nie habe er so viele verunsicherte und wütende Nachfragen aus der Truppe, von Bürgermeistern mit Bundeswehr-Standorten und Soldaten aus den Einsatzgebieten bekommen, sagte er.

„Es versteht keiner, warum sich die Ministerin nach dreieinhalb Jahren im Amt nun quasi auf die Tribüne zurückzieht und pauschal über die Truppe urteilt.“

Auf die Äußerungen seiner Chefin angesprochen, verweist ein hoher Offizier auf deren eigene Führungsverantwortung: „Im Grund kann man doch sagen: Der Fisch stinkt vom Kopf her.

Doch von der Leyen bleibt uneinsichtig und wettert: „Zu groß ist die Zahl der Vorfälle,so, dass man nicht mehr von Einzelfällen sprechen könne, zu gravierend die zutage getretenen Fehlentscheidungen, wie zum Teil auf vorgesetzten Ebenen mit klaren Verfehlungen umgegangen wurde“.

Von der Leyen habe die „volle Unterstützung“ von Merkel und der gesamten Bundesregierung, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Mittwoch in Berlin.