Bürgerproteste sind am Freitag in Rom und Treviso gegen die Unterbringung von Asylwerbern ausgebrochen. Zu Krawallen kam es in einem römischen Vorstadtviertel gegen den geplanten Einzug von rund hundert Flüchtlingen in eine ehemalige Schule, die in ein Aufnahmezentrum umgewandelt worden war.

Die Demonstranten warfen Stühle in Richtung der Ordnungshüter, die mit Knüppelschlägen reagierten und den Eingang frei räumten. Die 250 Familien, die im Vorort leben, hatten schon seit Tagen gegen Pläne des Polizeichefs protestiert, 100 Flüchtlinge in der Ex-Schule unterzubringen. Sie warnten vor einer „Flüchtlingsinvasion“, die zu erheblichen Sicherheitsproblemen in dem ohnehin schon benachteiligten Vorort Casale San Nicola führen könnte.

Ein Bus mit etwa 20 Migranten erreichte trotz Blockadeversuchen die ehemalige Schule. Die Demonstranten schrien den Menschen Hassparolen und Beleidigungen entgegen, warfen mit Steinen Stühlen und Flaschen.

„Wir machen keinen Schritt zurück“, sagte der Präfekt Franco Gabrielli.
Anders entschieden die Behörden in Quinto di Treviso. Dort wurden etwa 100 Asylwerber am Nachmittag aus der ursprünglich vorgesehenen Unterkunft in eine ehemalige Kaserne in der Nähe gebracht. Zuvor hatten Möbel und Matratzen vor ihren Appartements gebrannt, Dutzende Menschen protestierten. Es kam es zu Auseinandersetzungen mit der Polizei.

Der Präsident der Region Venetien, Luca Zaia, zeigte sich solidarisch mit den Demonstranten. Der Spitzenpolitiker der ausländerfeindlichen Oppositionspartei Lega Nord warnte vor einer „Afrikanisierung“ der Region Venetien, in der bereits 517.000 Migranten leben. „Es ist absurd, hundert Flüchtlinge in einem Wohnungsgebäude unterzubringen, in dem Familien mit Kleinkindern leben“, meinte Zaia. Damit schüre man nur soziale Konflikte. Zaia führt die Front der Präsidenten norditalienischer Regionen an, die keine Flüchtlinge aufnehmen wollen. An seiner Seite stehen sein Parteikollege Roberto Maroni, Präsident der Lombardei, und der rechte Gouverneur Liguriens, Giovanni Toti.

Rechtsparteien warnten vor weiteren Protesten. „Die soziale Revolte steht vor der Tür. Die Situation ist unerträglich geworfen. Wir haben mit einer Invasion von Migranten zu tun, die versorgt werden müssen, während Tausende italienische Familien mit akuten finanziellen Problemen zu tun haben“, kommentierte der Senator der konservativen Partei Forza Italia, Maurizio Gasparri.