Manchmal ist es besser, die Sprache der Politiker nicht zu verstehen, über die man berichtet. Vor einer Pressekonferenz des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu in Budapest mit den Regierungschefs der vier sogenannten Visegrád-Staaten (Ungarn, Polen, Tschechien, Slowakei – V4) schenkten die ungarischen Kollegen und die Ungarn-Korrespondenten, die die Sprache verstehen, den zur Verfügung gestellten Kopfhörern für die Simultanübersetzung nicht viel Beachtung. Sie würden ja sowieso alles verstehen, Gastgeber Orbáns Ungarisch, und Netanjahu, der wie immer auf Englisch sprechen würde.

Aber ein Kollege von der Tageszeitung „Haaretz“ probierte die Dinger aus und stellte fest, dass da bereits etwas zu hören war, obwohl die Politiker noch gar nicht zur Pressekonferenz erschienen waren. Es war das Gespräch der Regierungschefs hinter geschlossenen Türen mit eingeschaltetem Mikrofon – einige Minuten lang, bevor Techniker die Leitung kappten. Zu spät. Wenig später standen Auszüge auf der Webseite der „Haaretz“.

„Es ist verrückt. Es ist tatsächlich verrückt“, sagte Netanjahu da über die EU. „Es ist die einzige Vereinigung von Ländern in der Welt die die Beziehungen zu Israel – das Technologie in allen Bereichen produziert – an politische Bedingungen knüpft. Sie sind die einzigen! Niemand macht das!

Ungarns Premier Viktor Orbán setzte noch eines drauf: „Herr Netanjahu, die EU ist sogar noch einzigartiger. Sie erlegt nicht nur Ländern außerhalb der EU Bedingungen auf, auch denen innerhalb der EU.“ Gemeint war wohl die Kontroverse zwischen Brüssel und Ungarn (und Polen) über die Einhaltung der europäischen Werte.

Ähnlich wie zuvor US-Präsident Trump, der in Warschau gefragt hatte, ob Europa überhaupt überleben wolle, sagte der israelische Regierungschef hinter verschlossenen Türen: „Ich glaube Europa muss sich entscheiden, ob es leben und gedeihen will, oder verschrumpeln und sterben.“